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Petition "11 Euro für guten Ganztag"

Leipzig, den 26.02.2026
Rechtsanspruch auf Ganztag ab 2026? Super! Aber ohne Geld bleibt er ein leeres Versprechen auf Bildungsgerechtigkeit. Marode Räume, zu wenig Personal, sinkende Qualität: Das ist der Preis der Unterfinanzierung. 11 Euro pro Kind und Tag sind das Minimum für einen Ganztag, der diesen Namen verdient.

Ab August 2026 haben Kinder im Grundschulalter in Deutschland einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung und -förderung. Dieser Anspruch ist ein großer bildungspolitischer Meilenstein. Er kann jedoch nur dann im Sinne der Kinder umgesetzt werden, wenn der Ganztag nicht als bloßes Betreuungsangebot verstanden wird. Stattdessen muss er als qualitativ hochwertiger Lern- und Lebensraum gestaltet sein, und zwar für alle Kinder und Jugendlichen, nicht nur in der Grundschule. Der Bildungsort Ganztag braucht gut ausgebildete Fachkräfte, geeignete Räume, die auf den Ganztag ausgerichtet sind und eine verlässliche, auskömmliche Ausstattung.

Die Realität sieht anders aus: Deutschlands Schulen und ganztägige Bildungsorte leiden unter einem massiven Sanierungsstau. Viele Gebäude sind marode, räumlich ungeeignet oder nicht auf ganztägige Nutzung ausgelegt. Gleichzeitig gibt es keine verbindlichen Fachkräftestandards für den Ganztag. In vielen Bundesländern reichen formale Mindestanforderungen für das Personal wie ein polizeiliches Führungszeugnis und der Nachweis einer Masernschutzimpfung aus. Das wird der pädagogischen Verantwortung gegenüber Kindern in keiner Weise gerecht.

Hinzu kommt: Qualifizierte Aus- und Weiterbildungsangebote für die Arbeit im Ganztag sind bislang kaum flächendeckend vorhanden. Fachkräfte werden mit steigenden Anforderungen konfrontiert, ohne systematisch darauf vorbereitet oder begleitet zu werden. Auch die Rahmenbedingungen für Kinder sind vielerorts unzureichend: Die Schulverpflegung ist häufig teuer und entspricht nicht den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Für Materialien, Projekte, kreative Angebote und eine kindgerechte Ausgestaltung des Alltags fehlen vielerorts die notwendigen Sachmittel. Auch für Kooperationen mit externen Partnern gibt es weder Zeit zur Koordination und Kommunikation noch finanzielle Ressourcen.

So kann der Ganztag nicht gelingen!

Deshalb starten wir auf der didacta 2026 die Petition an den Deutschen Bundestag für ein Sondervermögen „Ganztag“ (2026–2030) unter dem Motto: „11 Euro für guten Ganztag“. Diese Mittel müssen in eine Qualitätsoffensive Ganztagsbildung investiert werden. Diese 11 Euro pro Kind und Tag ergeben sich aus den realistischen Berechnungen, wie viel zusätzliche Mittel notwendig sind, um qualitativ hochwertige Ganztagsbildung, ausreichend und qualifiziertes Personal, gute Räume, lernförderliche Angebote und verlässliche Strukturen zu gewährleisten. Nach aktuellen Studien werden hierfür für die Jahre 2026 bis 2030 Investitionen von insgesamt 96,19 Milliarden Euro notwendig sein. Bei prognostizierten 7,4 Millionen Kindern in Grundschule und Sekundarstufe I und insgesamt 1.205 Tagen in 5 Jahren inkl. der Schultage und Ferienbetreuung ergibt sich der Betrag von 11 Euro pro Tag und Kind.

Die gesellschaftliche Notwendigkeit für ein solches Sondervermögen ergibt sich aus dem Recht der Kinder und Jugendlichen auf gute Bildung, unabhängig vom Einkommenden ihres Elternhauses. Gerade in einer alternden Gesellschaft, in der Bildung die wichtigste Ressource unserer Volkswirtschaft ist, sind wir gemeinsam verpflichtet, allen Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Bildungschancen zu gewähren. Dafür muss der Ganztag für alle Kinder und Jugendlichen mit echten Ressourcen hinterlegt werden. Ganztag darf keine Kinderverwahranstalt mit Suppenküche sein, sondern ein leistungsfähiges, inklusives und kindgerechtes Bildungsangebot.
 
Quellen für die Berechnungsgrundlage (Stand März 2026):
 
• Beschlossenes Investitionsprogramm Ganztagsausbau für die Beteiligung an den Betriebskosten der Länder: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/ministerium/gesetze/gesetz-rechtsanspruch-ganztagsbetreuung-grundschulen-178966 (Kosten: 2,49 Milliarden)
 
• Sanierungstau an Schulgebäuden (KfW), Kostenangabe Seite 4: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Kommunalpanel/KfW-Kommunalpanel-2025.pdf (Kosten bis 2030: 48 Milliarden Euro)
 
• Laufender Betrieb und Personal für den Rechtsanspruch (Bertelsmann):  https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/in-vielfalt-besser-lernen/projektnachrichten/rechtsanspruch-ganztag-2025 (Kosten: 5,3 Milliarden Euro/Jahr, bis 2030: 26,5 Milliarden Euro)
 
• Sachmittelbudget: 2 Euro pro Kind pro Anspruchstag müssen als Sachmittel bereitstehen (Kosten: 2,6 Milliarden Euro/Jahr, bis 2030: 13 Milliarden Euro)
 
• Mittagessen von 3,50 Euro nach DGE Standard, Kostenangabe Seite 5: https://www.dge.de/fileadmin/dok/dge/projekte/BMEL-Schulverpflegung-KuPS-Studie.pdf (Kosten: 1,2 Milliarden Euro/Jahr, bis 2030: 6 Milliarden Euro)
 
• Fachkräftemangel und notwendige Qualifizierungen (Bertelsmann) https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2022/juli/mehr-als-100000-fachkraefte-fehlen-fuer-guten-ganztag-fuer-grundschulkinder-bis-2030 (100.000 Personen x 2000 Euro für Nachqualifizierungen ergibt: Kosten: 200 Millionen Euro)

Termine

24. Februar 2026, 19:30 - 21:30 Uhr
Ort: online
Mittwoch, 11. März 2026
Ort: Köln

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