Ganztagsangebote eröffnen zusätzliche Lernräume, in denen Lesen kontinuierlich geübt und vor allem aber die Motivation und Lesefreude vielfältig erlebbar werden können. Gleichzeitig bieten Ganztagsangebote durch die Verortung in den Schulen das Potenzial genau auch die Kinder zu erreichen, die nicht durch außerschulische Leseförderangebote erreicht werden.
Die Fortbildung ganztagsLESEN der Bücherpiraten qualifiziert Fachkräfte praxisnah und wissenschaftlich fundiert, um Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen und gleichzeitig ihre Lesemotivation, Sprachentwicklung und gesellschaftliche Teilhabechancen zu stärken.
Die Demokratie braucht Lesen!
Lesekompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für schulischen Erfolg, gesellschaftliche und demokratische Teilhabe. Denn Lesen umfasst eben nicht nur das Erkennen von Wörtern, sondern vor allem auch das Verstehen, Einordnen und kritische Bewerten von Texten – Fähigkeiten, die für die aktive Teilnahme an einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind.
Wenn die Demokratie das Lesen braucht, sind die folgenden Zahlen besorgniserregend:
- PIRLS/IGLU 2021: etwa 25 % der Viertklässler:innen erreichen nicht das Mindestniveau der Lesekompetenz. Kinder, die dieses Niveau nicht erreichen, haben erhöhtes Risiko, in der weiterführenden Schule und im Alltag Anschlussprobleme zu bekommen (Bos et al., 2017; KMK, 2023).
- Funktionaler Analphabetismus bei Erwachsenen hat wiederum oft seine Wurzeln in unzureichender Lesekompetenz in der Kindheit und in der Familie. In Deutschland wird die Zahl der Erwachsenen mit funktionalem Analphabetismus auf ca. 4–6 Mio. geschätzt (Grotlüschen et al., 2019).
Wer nicht sinnentnehmend lesen kann, entwickelt zwar sehr häufig Strategien, den Alltag zu bewältigen. Zum einen kostet das aber extrem viel Aufwand – und zum anderen: Das selbstwirksame Erschließen neuer Bildungsinhalte und das Erschließen von z.B. komplexen Texten wie Parteiprogrammen, Wahlinformationen oder Hintergrundrecherchen zu Nachrichten ist nur bedingt möglich.
Leseförderung im Ganztag
Damit sich diese Zahlen ändern, braucht es eine Anstrengung der gesamten Gesellschaft. Die Schulen werden mit einer großen Zahl an Aufgaben überlastet und brauchen Unterstützung durch außerunterrichtliche und -schulische Angebote. Dabei muss aber im Blick behalten werden, dass das Lesenlernen weiterhin vorrangig im Unterricht und durch didaktisch ausgebildete Lehrkräfte stattfinden muss. Der Ganztag und die außerschulischen Einrichtungen können unterstützend wirken.
In diesem Rahmen können Ganztagsfachkräfte in der Leseförderung eine entscheidende Rolle spielen: Sie ergänzen den Unterricht, indem sie Lesen als erlebte, motivierende Praxis vorleben und gestalten. Dabei werden kognitive, affektive und soziale Dimensionen des Lesens miteinander verbunden.
Zwingend für die wirksame Unterstützung in der außerunterrichtlichen Leseförderung ist eine Qualifikation der im Ganztag tätigen Personen. Da der Personalbedarf für den verpflichtenden Ganztag aber so groß ist und nicht ausreichend Fachkräfte verfügbar sind, ist das Personal im Ganztag bislang sehr heterogen: Es gibt natürlich Fachkräfte mit pädagogischer Ausbildung oder mit akademischem Hintergrund, aber oft arbeiten im Ganztag (ehrenamtliche) Assistenzkräfte und/oder pädagogische Laien.
Dabei ist es existenziell für eine nachhaltige und qualitativ hochwertige pädagogische Arbeit im Ganztag, dass das Personal sich und seine Arbeit immer wieder reflektiert. Zudem ist es notwendig, die Angebote an der Entwicklung und dem Kompetenzniveau der Kinder zu orientieren und Gruppen von Kindern sozial kompetent zu begleiten. Diese Fähigkeiten müssen durch Qualifizierungsprozesse aufgebaut und erhalten werden.
Praxisnah und vielfältig: Inhalte der Fortbildung ganztagsLESEN
Die Fortbildung ganztagsLESEN vermittelt wissenschaftlich fundierte Grundlagen und praxisorientierte Methoden – gestützt auf die langjährige Erfahrung der Bücherpiraten in Literaturpädagogik und Leseförderung. Die Bücherpiraten führen seit vielen Jahren erfolgreiche Leseförderprojekt durch. Die Inhalte der Fortbildung basieren auf ihren erprobten und erfolgreichen literarturpädagogischen Projekten für Kinder und Jugendliche. Ziel ist, dass die Teilnehmenden diese Ideen direkt in Ganztagssettings umsetzen können.
In den Seminaren geht es um theoretisches Wissen zur Sprachentwicklung, Lesekompetenz und zur Mehrsprachigkeit. Die Theorie wird unmittelbar mit praktischen Handlungsmöglichkeiten für Ganztagsangebote verknüpft. Teilnehmende lernen, wie sie Leseförderung systematisch planen, Methoden differenziert einsetzen und Kinder alters- und entwicklungsangemessen begleiten können.
Beispiele aus den Modulen:
- Alters- und Entwicklungsphasen: Angebote gezielt auf Lesekompetenzstände abstimmen.
- Partizipation: Kinder entscheiden selbst über Geschichtenpfade oder Schreibprojekte.
- Dialogisches Vorlesen und Erzählstimme: Stärkt Textverständnis und kognitive Fähigkeiten.
- Mehrsprachige Zugänge: Zweisprachige Bilderbuch-Werkstätten aktivieren die sprachlichen Ressourcen der Kinder.
- Literarische Vielfalt: Straßenpoesie, Comics, Sachbücher, Podcasts fördern Lesemotivation und unterschiedliche Zugänge.
- Phonologische Bewusstheit und Schreiben: Lyrik- und Schreibprojekte festigen das Laut-Struktur-Verständnis der Sprache.
- Lesesozialisation: Kinder erfahren Lesen als sozialen, motivierenden Prozess und bauen positive Leseerfahrungen auf.
Durch die Verbindung von Leseförderung und Partizipationspädagogik wird Leseförderung auch zur Demokratieförderung: Kinder, die Texte verstehen, einordnen und kritisch reflektieren können, entwickeln die Grundlage für gesellschaftliche Urteilsfähigkeit. Ganztagsangebote bieten dafür den Erfahrungsraum, in dem Kinder Lesen als gemeinschaftliches, soziales und kreatives Erlebnis teilen.
Termine & Ort
Die Fortbildung findet 2026 ab 27. Februar 2026 an zwei Präsenzwochenenden im Bücherpiraten-Haus in Lübeck sowie über vier Online-Termine statt. Die genaue Übersicht der Termine finden Sie auf unserer Website: buecherpiraten.de
Kosten & Anmeldung:
500 Euro pro Person – inklusive Workshops, Mittagessen, Getränke und Online-Termine. Anmeldung per ausgefülltem PDF an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Literaturverzeichnis
Bos, W., Bremerich-Vos, A., Tarelli, I., & Valtin, R. (Hrsg.). (2017). IGLU 2016. Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster: Waxmann.
Grotlüschen, A., Buddeberg, K., Dutz, G., Heilmann, L., & Stammer, C. (2019). LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität. Hamburg: Universität Hamburg.
Kultusministerkonferenz (KMK). (2023). Lesen ist das Fundament für Bildungserfolg – Ergebnisse der IGLU-Studie 2021. Bonn: KMK.
OECD. (2023). PISA 2022 Results (Volume I): The state of learning and equity in education. Paris: OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/53f23881-en
Stiftung Lesen. (2023). Leseförderung und Demokratie: Warum Lesen eine Schlüsselkompetenz für gesellschaftliche Teilhabe ist. Mainz: Stiftung Lesen.
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (2020). Lesekompetenz, Medienkompetenz und Demokratie. Bonn: bpb.
Beitragsbild: Kirsten Haarmann