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Ganztagsschule vor dem Aus: Warum Hamburgs Grundschulen multiprofessionelle Teams brauchen

  • Beitrag mit Einleitung und Bild:
    • Veröffentlichungsort und Datum: Hamburg, den 17.09.2026, Einleitung (max. 300 Zeichen): In Hamburg steht das Erfolgsmodell der gebundenen Ganztagsschule vor einer radikalen Umstellung: Ab 2027 sollen Lehrkräfte und Honorarmittel für den Ganztag in GTS gestrichen werden. Der folgende Beitrag fasst eine Präsentation der KER52 Hamburg zum Thema zusammen., Einleitungsbild: Ein verflochtenes Seil veranschaulicht das Zusammenspiel multiprofessioneller Teams im Ganztag – wird ein Strang gekappt, verliert das Gesamtsystem seine Tragfähigkeit., Landesverband: LV Hamburg, Veröffentlichungsjahr: 2026

Ein leises Aus für ein Hamburger Erfolgsmodell?

Steht die gebundene Ganztagsschule in Hamburg vor ihrem schleichenden Ende? Wer die bildungspolitischen Debatten der Hansestadt verfolgt, hört vom Senat, dass die Stellenzahl im Ganztag steige (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026a). Blickt Ihr jedoch genauer in den Haushaltsplan-Entwurf 2027/2028 für den Einzelplan 3.1, zeigt sich ein vollkommen anderes Bild: Zum 1. August 2027 beginnt eine Umstellung, die das Herzstück der gebundenen Ganztagsschule nach Rahmenkonzept (GTS) im Kern trifft (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026c; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

Ab dem Schuljahr 2028/2029 sind für die Zuweisung der Vorschulklassen sowie der Klassen 1 bis 4 exakt null Lehrkräftestellen und null Euro Honorarmittel veranschlagt (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026a; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Bisherige Ressourcen für rhythmisierten Unterricht, Lernzeiten und Förderung entfallen und werden rein rechnerisch durch Erzieherstellen ersetzt (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Betroffen sind 87 Hamburger Grundschulen und Grundschulabteilungen mit rund 26.000 Kindern (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026b; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Warum erschüttert diese Kürzung die Grundlagen ganztägiger Bildung?

Das Prinzip Seil: Warum multiprofessionelle Teams nicht austauschbar sind

Eine gebundene Ganztagsschule ist keine reine Betreuung nach Unterrichtsschluss, sondern ein zusammenhängender Bildungstag (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Unterricht, Lernzeiten und Neigungskurse wechseln sich von 8:00 bis 16:00 Uhr ab. Die Qualität beruht auf dem Verflechten dreier Stränge: Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Honorarkräfte bilden ein tragfähiges Seil (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Lehrkräfte diagnostizieren Lernstände und leiten Lernzeiten. Erzieher:innen sichern soziale Beziehungen und Alltagsbegleitung. Honorarkräfte ergänzen kulturelle und sportliche Kurse (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

Wird die Zuweisung ab 13:00 Uhr zu 100 Prozent auf Erzieher:innen umgestellt, wie es Fußnote 6 im Haushaltsentwurf vorschreibt, wird diese Verflechtung aufgetrennt (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026a). Ein Strang wird dicker, aber ein stabiles Seil entsteht daraus nicht (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Wie mehr als 50 Schulleitungen betonen, sind Lehrkräfte und Erzieher:innen nicht beliebig austauschbar, da sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen (Gemeinsame Stellungnahme der GTS-Grundschulen, 2026). Erzieher:innen leisten wertvolle Arbeit, dürfen aber weder unterrichten noch Lernstände bewerten (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

Infobox:

Die Zuweisungsformel im Wandel Bisherige Zuweisung je Gruppe (19 Kinder bei Sozialindex 1–2, 23 Kinder bei Sozialindex 3–6):

  • • 10,0 Wochenarbeitszeitstunden (WAZ) Lehrkraftanteil
  • • 34,0 % einer Erzieherstelle
  • • 300 Honorarstunden pro Schuljahr

Zukünftige Zuweisung ab Schuljahr 2028/2029:

  • • 0,0 WAZ Lehrkraftanteil (entfällt vollständig)
  • • 62,4 % einer Erzieherstelle (+ 28,4 Prozentpunkte)
  • • 0 Honorarstunden (entfällt als eigene Zuweisung)

(Quellen: Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026a; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026)

Was der Wegfall in der Schulpraxis bedeutet: Zwei Fallbeispiele

An der Grundschule Poppenbüttel – einer voll gebundenen GTS mit 436 Kindern – führt die Formel zum Verlust von bis zu 190 Lehrerwochenstunden (ca. 4 Vollzeitstellen) und 5.700 Honorarstunden pro Schuljahr (Grundschule Poppenbüttel, 2026; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Im Gegenzug kommen etwa 5 Erzieherstellen hinzu. Aus begleiteten Lernzeiten wird reine Hausaufgabenaufsicht, und Ganztagsangebote entfallen (Grundschule Poppenbüttel, 2026; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

An der Ganztagsgrundschule Sternschanze (523 Kinder) verliert das Kollegium rund 6 Lehrkräfte – etwa 10 Prozent der Stellen (Ganztagsgrundschule Sternschanze, 2026; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Bisher finanzierte die Schule damit 45 Wahlpflichtkurse, 39 Stunden Lernzeit, 35 Stunden Lehrkräfte in der Mittagsfreizeit, 26 Unterstützerstunden um 8:00 Uhr sowie soziale Trainings wie die 'Wir-Stunde' (Ganztagsgrundschule Sternschanze, 2026; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Ohne diese Mittel droht der Rückfall in eine reine Nachmittagsbetreuung ohne Schulleitungsressourcen (Ganztagsgrundschule Sternschanze, 2026; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

An den anderen GTS-Grundschulen sieht es ähnlich aus!

Bildungsgerechtigkeit in Gefahr: Schulen in belasteten Lagen trifft es am härtesten

46 Prozent der Hamburger GTS-Grundschulen haben den Sozialindex 1 oder 2 (höchste soziale Belastung), während es bei Ganztägiger Bildung und Betreuung (GBS) nur 18 Prozent sind (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Das GTS-Modell wurde gezielt dort aufgebaut, wo Kinder verlässliche Förderung am dringendsten brauchen (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Fällt die Förderung aus, entscheidet wieder das Elternhaus über den Schulerfolg (Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

Zudem verletzt der Entwurf politische Zusagen: Am 15. Juni 2016 beschloss die Bürgerschaft einstimmig Drucksache 21/4866 zur Stärkung der GTS-Mittel (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2016). Während der Senat den Professionenmix für die Sekundarstufe und Sonderschulen absichert, wird er ausgerechnet bei den Jüngsten gestrichen (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026a; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026).

Infobox:

Fragen an Eure Schulleitung Der Kreiselternrat (KER) 52 Alstertal-Walddörfer empfiehlt folgende Kernfragen:

  1. Wie viele Ganztagsgruppen und Lehrerwochenstunden hat unsere Schule heute?

  2. Wofür konkret werden diese Stunden im Ganztagskonzept eingesetzt?

  3. Welche Förderangebote und Kurse fallen ab 2027/2028 weg?

  4. Welche Kurse hängen an Honorarmitteln?

  5. Liegt der Schule bereits eine Auswirkungsanalyse der Schulbehörde vor?

  6. Lässt sich unser rhythmisiertes Konzept ohne Lehrerstunden aufrechterhalten? (Quelle: Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026, S. 15)

Fazit und Ausblick: Warum Schweigen vollendete Tatsachen schafft

Die Entscheidung über den Doppelhaushalt fällt im Dezember 2026 in der Bürgerschaft (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2026c; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Bis dahin verbleibt Zeit, Korrekturen einzufordern. Obwohl die Elternkammer Hamburg seit Juli 2026 eine Auswirkungsanalyse fordert, fehlt diese bis heute (Elternkammer Hamburg, 2026; Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer et al., 2026). Es liegt an Euch – Schulleitungen, Lehrkräften, Erzieher:innen, Eltern und Elternräten –, die Zahlen Eurer Schule einzufordern und gemeinsam für den Erhalt multiprofessioneller Teams zu kämpfen.

Aber auch alle anderen Schulformen, die derzeit nicht unmittelbar von den Kürzungen betroffen sind, sind aufgerufen, sich stark zu machen. Gute (Ganztags)bildung und Bildungsgerechtigkeit für alle Hamburger Kinder und Jugendlichen geht uns alle an!

 

Wo das Thema weiterverfolgt werden kann und wie Sie mitmachen können:

  1. Weitere Infos gibt es auf den Social Media Kanälen unter @ganztagsschulverband und @elternkammer_hamburg
  2. Auf dem Laufenden bleiben: Ein Verteiler mit News zum Thema gibt es hier.
  3. Eine Petition gegen die Streichung ist im Umlauf: Hier gehts zur Petition
  4. Mit der eignen Schulleitung sprechen darüber, was die Kürzung konkret bedeutet.
  5. Weitersagen: Die meisten Eltern wissen bisher nichts von den Kürzungen. Teilt unsere Beiträge.

 

Die ausführliche Hintergrundpräsentation des KER52 Hamburg zum Thema, auf der dieser Beitrag aufbaut, gibt es hier: Information für Eltern an Ganztagsgrundschulen herunterladen

 

Pressestimmen:

taz 17.09.2026: Ganztag bald ganz ohne Lehrer

NDR 12.07.2026: Gebundene Ganztagsschulen: Kritik an Plänen der Schulbehörde

 

Literaturverzeichnis

  • Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. (2016). Drucksache 21/4866: Beschluss der Bürgerschaft zur Beendigung der Volksinitiative 'Guter Ganztag für Hamburgs Kinder'. Hamburgische Bürgerschaft.

  • Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. (2026a). Drucksache 23/5000: Haushaltsplan-Entwurf 2027/2028, Einzelplan 3.1 (Behörde für Schule und Berufsbildung), Anlage 1. Hamburgische Bürgerschaft.

  • Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. (2026b). Drucksache 23/4680: Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Sabine Ritter (Die Linke) – Wird das Modell der Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept geschwächt? Hamburgische Bürgerschaft.

  • Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. (2026c). Drucksache 23/4914: Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgit Stöver und Antje Müller-Möller (CDU) – Nur noch halbe Sachen beim schulischen Ganztag. Hamburgische Bürgerschaft.

  • Elternkammer Hamburg. (2026, 12. Juli). Elternkammer Hamburg fordert Transparenz bei den geplanten Änderungen an Ganztagsschulen [Pressemitteilung].

  • Ganztagsgrundschule Sternschanze. (2026). Auswirkungen der GTS-Anpassung, Schuljahr 2026/2027[Unveröffentlichtes Arbeitspapier].

  • Gemeinsame Stellungnahme der GTS-Grundschulen. (2026). Qualität sichern · Ganztag gemeinsam gestalten: Offener Brief von über 50 Schulleitungen an Senatorin Bekeris.

  • Grundschule Poppenbüttel. (2026). Auswirkungsanalyse der GTS-Zuweisung für das Schuljahr 2026/2027 [Unveröffentlichte Aufstellung].

  • Kreiselternrat 52 Alstertal-Walddörfer, Elternrat Grundschule Poppenbüttel, & Elternrat Ganztagsgrundschule Sternschanze. (2026). Unser Ganztag steht auf dem Spiel: Informationsunterlage für Eltern an Ganztagsgrundschulen (Stand 16. September 2026).

Die KlimaFood-Ideenkiste im Ganztag: Ernährungsbildung und spielerische Zugänge zu Nachhaltigkeit

  • Beitrag mit Einleitung und Bild:
    • Veröffentlichungsort und Datum: Flensburg, 09.06.2026, Einleitung (max. 300 Zeichen): Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit sind große Themen. Die KlimaFood-Ideenkiste hilft bei der passenden Aufbereitung. Kreative Materialien, praxiserprobte Spiele und spannende Projektideen erleichtern den Zugang und fördern die Freude am Lernen., Einleitungsbild: , Landesverband: Bundesverband, Veröffentlichungsjahr: 2026

Ernährungsbildung neu denken

Die Praxis zeigt: Klassische Ansätze der Ernährungsbildung erreichen nicht alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen. Ganztagsangebote bieten hier die Chance, vielseitigere Lern- und Erfahrungsräume zu eröffnen und jungen Menschen eine ganzheitlichere Förderung zu ermöglichen. Wie Ernährungsbildung im Ganztag niedrigschwellig, alltagsnah und wirksam gestaltet werden kann, zeigt die KlimaFood-Ideenkiste: Eine vielseitige Materialsammlung, die hier kostenfrei zum Download zur Verfügung steht.

Die KlimaFood-Ideenkiste im Überblick

Die Ideenkiste gibt zahlreiche Ideen und Anstöße, um Ernährungsbildung flexibel in den Ganztag zu integrieren. Sie enthält:

  • Relevante Hintergründe zu Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit,
  • Vier KlimaFood-Konzepte mit Umsetzungsbeispielen aus der Praxis,
  • Zu den Konzepten passende als auch losgelöst einsetzbare Aktionsideen und Spiele,
  • Tipps und Tricks für die Planung und Durchführung von Ernährungsbildungsaktionen,
  • Gesundheitsfördernde und nachhaltige Rezepte.

Durch die Anpassbarkeit auf unterschiedliche Rahmenbedingungen ist die KlimaFood-Ideenkiste für diverse Bedarfe geeignet. Die Materialien sind untereinander kombinierbar und reichen von kurzen, spontan einsetzbaren Aktionen bis hin zu tagesfüllenden Programmen und Vorhaben, die für eine ganze Projektwoche geeignet sind.

Abbildung 1: Die KlimaFood-Ideenkiste

Tipp:

Die Hintergrundinformationen zu Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit sind auch kostenfrei als Selbstlernvideos verfügbar. 

Orientierung im Material durch Themenfelder und Hashtags

Nachhaltige und gesundheitsförderliche Ernährung wird in der KlimaFood-Ideenkiste anhand von sieben Themenbereichen erschlossen (Abbildung 2).

  • Die Themen sind jeweils als handlungsorientierter Tipp für den Alltag benannt.
  • Die dazugehörigen Materialien fördern Wissen und Kompetenzen, um die Umsetzung zu erleichtern.
  • Die Zuordnung der Materialien zu den jeweiligen Themen erfolgt durch eine farbliche und symbolische Kennzeichnung (Abbildung 2 und 3).
  • Ihre Anwendung wird übersichtlich auf Karten beschrieben (Abbildung 4). Druckdateien zu Arbeitsblättern, Spielkarten u. Ä., die teilweise benötigt werden, sind durch Verlinkungen oder QR-Codes schnell auffindbar.

Abbildung 2: Tipps für eine gesundheitsförderliche und klimafreundliche Ernährung

Ergänzend erleichtert ein alternatives Inhaltsverzeichnis mit Hashtags die Nutzung. So können Materialien schnell und bedarfsgerecht ausgewählt werden. Nützliche Hashtags sind z. B.:

  • #Draußen: Spiele und Aktionen, die gut für draußen geeignet sind,
  • #Mini-Spiele: Kurze Aktionen und Spiele zu verschiedenen Themen, 
  • #Food Literacy: Spiele und Aktionen, die für die Bereiche DaZ und Alphabetisierung geeignet sind und das Thema Spracherwerb mit Ernährung verbinden.

Abbildung 3: Ein Blick auf exemplarische Karten der KlimaFood-Ideenkiste

Didaktische Rahmung: Die KlimaFood-Konzepte im Ganztag

Die KlimaFood-Konzepte zeigen vier grundlegende Herangehensweisen für Ernährungsbildung:

Hier übernehmen junge Menschen selbst die Rolle der Vorbereitenden und Durchführenden. Sie vermitteln anderen Kindern und Jugendlichen Ernährungswissen und Kochfertigkeiten. Auf diese Weise vertiefen und reflektieren sie die Inhalte besonders nachhaltig.

Lebensmittel werden praktisch entdeckt: Schneiden, Würzen, Kombinieren und Verkosten stehen im Mittelpunkt. Dabei wird bewusst auf unterschiedliche Vorerfahrungen und Kenntnisse eingegangen. Wer noch etwas Zutrauen gewinnen muss, kann sich z. B. durch das Waschen der unverarbeiteten Lebensmittel niedrigschwellig bei der Vorbereitung einbringen.

Bei diesem Konzept geht es um den Wortschatzaufbau anhand des Themas Essen und Trinken. Gleichzeitig werden küchenpraktische Fertigkeiten und typische Situationen aus dem Ernährungsalltag gemeinsam eingeübt. Mithilfe eines Foto-Rezeptes wird gemeinsam ein Gericht gekocht. Ausgehend vom Rezept können verschiedene Aspekte nachhaltiger Ernährung besprochen werden, z. B. die Saisonalität von Gemüse. Lecker Deutsch ist für den DaZ/DaF-Bereich geeignet.

Ernährungsbildung wird zum kreativen Projekt. In der Projektwoche Hip-Hop & Food werden bspw.  Ernährungsbildung und musikalische Ausdrucksform verbunden:  Kinder setzen sich mit den Zusammenhängen von Ernährung und Klima auseinander und entwickeln alltagstaugliche Ideen für eine gesündere und klimafreundlichere Ernährung. Durch das Schreiben eigener Rap-Texte reflektieren sie die Inhalte in ihrer eigenen Sprache, während gemeinsames Kochen die praktische Umsetzung stärkt.

Für alle Konzepte gilt: Spielen steigert die Bereitschaft, sich mit Ernährung auseinanderzusetzen, schafft niedrigschwellige Zugänge und verbessert das Speichern von Wissen. Die KlimaFood-Spiele können in den vorgestellten Konzepten stets ergänzt werden und sind zugleich losgelöst einsetzbar.

Abbildung 4: Aufbau der Karten in der KlimaFood-Ideenkiste (Vorderseite)

Tipp:

Die KlimaFood-Praxisbeispiele geben konkrete Einblicke, wie andere Einrichtungen die Konzepte und Materialien erfolgreich eingesetzt und individuell für sich angepasst haben. Hier sind z. B. zwei Veranstaltungen in offenen Kinderclubs beschrieben, in denen Lernen durch Anleiten angewendet wurde (ab S. 39). Auch die gelungene Umsetzung der bereits erwähnten Projektwoche Hip-Hop & Food als Ferienangebot wird aufgezeigt (ab S. 43).

Niedrigschwellig starten: Erste Schritte in der Praxis

Für den Einstieg empfiehlt es sich, zunächst ein Thema auszuwählen, das gut zur Gruppe passt. Das Bewegungsspiel Einmal um die Welt regt z. B. dazu an, sich mit der Regionalität von Lebensmitteln zu beschäftigen. Das Spiel kann sowohl in der Turnhalle als auch auf dem Schulhof gespielt werden. Im Sinnesparcours geht es darum, seine fünf Sinne (Sehen, Tasten, Hören, Riechen, Schmecken) in einfachen Rätselaufgaben auf die Probe zu stellen und zugleich die eigenen Lebensmittelkenntnisse zu erweitern. Solche kleinen, gut umsetzbaren Aktionen erleichtern den Start und lassen sich schrittweise erweitern. Auch gemeinsames Kochen hat sich besonders bewährt. Die KlimaFood-Rezepte sind kindgerecht und gut für das Kochen mit Gruppen geeignet. Spielen und gemeinsames Kochen schaffen unbeschwerte Gesprächsanlässe, fördern praktische Kompetenzen und kreieren ein positives Lernerlebnis mit Ernährungsbezug.

Abbildung 5: KlimaFood-Spiele in Aktion

Fazit: Startklar für nachhaltige Ernährungsbildung mit der KlimaFood-Ideenkiste!

Die KlimaFood-Ideenkiste macht Ernährungsbildung im Ganztag lebendig, praxisnah und das Thema nachhaltige Ernährung für junge Menschen alltagsrelevant. Durch die Kombination aus Aktivität, Mitgestaltung, Spiel und Lebensweltbezug entstehen Angebote, die Kinder und Jugendliche tatsächlich erreichen und so ihre Wirkung entfalten können.


Hintergrund: Das KlimaFood-Projekt

KlimaFood war ein Projekt im Rahmen des Nationalen Aktionsplans IN FORM, gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Von 2020 bis 2024 entwickelte die Europa-Universität Flensburg gemeinsam mit Praxispartner:innen neue Ansätze für Ernährungsbildung. Ziel war es, unter anderem Kinder und Familien besser in bestehenden Strukturen ihrer Lebenswelten zu erreichen und ihre Ernährungskompetenz zu stärken. Die Materialien entstanden in Kooperation mit Multiplikator:innen, wurden in Schleswig-Holstein erprobt, anschließend bundesweit eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Weitere Informationen zum KlimaFood-Projekt finden Sie hier.

Autorinnen:

Ronja-Christina Krüger (M.Sc. Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft)
Janina Kopp (M.Sc. Ökotrophologie, Ernährungsberaterin/DGE)

Die Autorinnen arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Europa-Universität Flensburg im IN FORM-Verbundprojekt „Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget - gemeinsam Ernährungsarmut begegnen“.

Wie die „Ukuleile“-Methode („Ukulele-leicht-lernen“) den Schulalltag an Ganztagsschulen bereichern kann

  • Beitrag mit Einleitung und Bild:
    • Veröffentlichungsort und Datum: Tettnang, 20.04.2026, Einleitung (max. 300 Zeichen): „Ich kann kein Instrument spielen und mit den Kindern nicht singen“. So oder ähnlich ist die Selbsteinschätzung mancher Erziehungs- und Lehrkraft – zu Unrecht., Einleitungsbild: , Landesverband: Bundesverband, Veröffentlichungsjahr: 2026

Mit der Leichtlernmethode für Ukulele, einer kleinen viersaitigen Gitarre, ist es in kürzester Zeit möglich, Kinder beim Singen anzuleiten und sie mit der Ukulele zu begleiten. 

Musikalische Elemente in der Erziehung und dem (außer-)schulischen Alltag sind geeignet, ein gutes Lern- und Gruppenklima zu erzeugen und die Stimmung aufzulockern. Umso mehr sollte es jeder Erziehungs- und Lehrkraft ermöglicht werden, selbstgemachte Musik entsprechend einzusetzen. Mit der „Ukuleile“-Methode können Interessierte innerhalb kurzer Zeit in die Lage versetzt werden, Melodien anzustimmen und den Gesang von Kindern selbst zu begleiten.

Die „Ukuleile“-Methode “ („Ukulele leicht lernen“) setzt auf einer leicht veränderten Stimmung der Saiten und dadurch stark erleichterten Griffen auf. Mit einer dreistündigen Einführung inklusive Übungsteil gelingt es Kursteilnehmenden, erste Lieder anzustimmen und zu begleiten. Da keine komplizierten Griffweisen erforderlich sind, können Erziehungs- und Lehrkräfte während des Spielens Blickkontakt mit den Kindern halten. Dies fördert die Motivation und lädt zum begeisterten Mitsingen und Mitmusizieren ein. Bei solcher Befähigung der Erziehungs- und Lehrkräfte können auch spontane musikalische Kurzeinheiten von wenigen Minuten ohne Vorbereitungsaufwand in den Unterricht oder den Ganztag eingebaut werden, etwa zur Bewältigung von Unruhe oder zur Entspannung. Dabei ist die Ukulele als Kleininstrument platzsparend in jedem Klassenzimmer problemlos unterzubringen.

Ein weiterer Aspekt selbstgemachter Musik ohne Vorbereitungsaufwand ist die Möglichkeit, Rituale zu schaffen, die Struktur und Vertrautheit geben und so mit einfachen Mitteln einen wertvollen Beitrag zu einem stabilen Lernumfeld leisten. So kann etwa zu bestimmten Zeitpunkten ein bestimmtes Lied gesungen oder auch zu Anlässen wie Geburtstagen dem einzelnen Kind eine Wertschätzung durch die Gruppe geschenkt werden.

Die Methode wurde von Iris Maucher an der Musikwerkstatt Tettnang gemeinsam mit Thomas Lorenz entwickelt. Einrichtungen, die eine „Ukuleile“-Vor-Ort-Schulung durchführen, können Instrumente erwerben, um direkt loslegen zu können. Die Stiftung „Kinder brauchen Musik“ von Monika und Rolf Zuckowski unterstützt das Projekt „Ukuleile“.

Die Ukulele in Verbindung mit der „Ukuleile“-Methode ermöglichen musikalische Bildung und Musik als gestalterisches Unterrichtselement auch in Ganztagsschulen. Selbst gemachte Musik schafft Gemeinschaft und bringt Freude in den Schulalltag. Ein kleines Instrument, eine einfache Methode mit großer Wirkung.

Weitere Informationen:

www.ukulele-leicht-lernen.de

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Autorin:

Iris Maucher, geb.  1972,  Uku-lei-le Entwicklerin, Ansprechpartnerin für Kurse des Förderprojekts Uku-lei-le von Rolf Zuckowskis Stiftung „Kinder brauchen Musik.“; Uku-lei-le- Dozentin und Buchautorin sowie langjährige Kinderchorleiterin und Musikpädagogische Fachkraft.

Stellungnahme zur fristgerechten Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbildung

  • Beitrag mit Einleitung und Bild:
    • Veröffentlichungsort und Datum: Leipzig, den 17.04.2026, Einleitung (max. 300 Zeichen): Die mögliche Verschiebung des Ganztagsförderungsgesetzes sorgt für Verunsicherung. Dabei ist klar: Investitionen in Bildung, Chancengerechtigkeit und Betreuung sind entscheidend für Zukunft und Fachkräftesicherung. Statt Verzögerung braucht es jetzt eine konsequente Stärkung des Ganztagsausbaus., Einleitungsbild: , Landesverband: Bundesverband, Veröffentlichungsjahr: 2026

Mit großer Sorge verfolgt der Ganztagsschulverband e.V. die aktuell diskutierte Idee, die Umsetzung des Ganztagsförderungsgesetzes zu verschieben. Wir erleben in ganz Deutschland, wie sich Länder, Kommunen und Träger momentan der Herausforderung stellen, die mit dem Rechtsanspruch verbundenen Voraussetzungen zu schaffen. Dieses Engagement gilt es zu stärken und nicht durch Verschiebungsszenarien zu verunsichern!
Zweifellos leben wir in einer angespannten Lage, die das Nachdenken über Sparmöglichkeiten rechtfertigt. Deutschlands Potenzial ergibt sich jedoch in hohem Maße aus gut gebildeten Menschen. Ausgerechnet hier zu sparen, dies betrachten wir als einen großen Fehler: Der Ausbau von Ganztagsschulen und ein damit verbundener Rechtsanspruch stärkt die wichtigste Ressource, die wir haben: Gut gebildete junge Menschen, unabhängig von der sozialen Herkunft. Der Rechtsanspruch umfasst ebenso Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, inklusive Förderung und gesellschaftliche Teilhabe – gerade für jene Kinder, die auf verlässliche externe Unterstützung am dringendsten angewiesen sind.
Außerdem: Ein weiterer positiver Effekt von Ganztagsschulen ergibt sich aus der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, in dem Kinder bis in den Nachmittag hinein betreut werden und daher beide Elternteile arbeiten können. Diese Möglichkeit in Frage zu stellen, ist in Zeiten des Fachkräftemangels in vielen Branchen ein weiterer schwerer Fehler.
Kurzum: Nicht Verschiebung, sondern die strukturelle Stärkung des ab Herbst 2026 beginnenden Rechtsanspruchs auf Ganztag im Grundschulalter ist geboten!