Nachrichten aus Hessen

Mit­glie­der­ver­samm­lung des Lan­des­ver­ban­des Hes­sen im Ganz­tags­schul­ver­band e. V.

Wies­ba­den, 19.09.2021

Liebe Mit­glie­der des Ganz­tags­schul­ver­ban­des,

sat­zungs­ge­mäß lade ich Sie hier­mit frist­ge­recht zu un­se­rer dies­jäh­ri­gen Jah­res­haupt­ver­samm­lung mit Neu­wah­len ein. Die Jah­res­haupt­ver­samm­lung fin­det

am Mitt­woch, den 06.10.2021

um 15:00 Uhr (An­kom­men, Kaffe und Ku­chen ab 14:30 Uhr)

in den Räu­men der Ge­samt­schu­le in Bad Cam­berg statt. Ein­zel­hei­ten ent­neh­men Sie bitte der Ein­la­dung (Dow­n­load­mög­lich­keit unten). Wenn eine Schu­le/In­sti­tu­ti­on Mit­glied ist, kann diese zu­sätz­lich zu den per­sön­li­chen Mit­glie­dern der Schu­le/In­sti­tu­ti­on eine/n wei­te­re/n Teil­neh­mer/in mit Stimm­recht ent­sen­den. Wenn nur die Schu­le Mit­glied des Ver­ban­des ist, wird sie durch eine stimm­be­rech­tig­ten Per­son ver­tre­ten.

Auf der Ta­ges­ord­nung ste­hen Neu­wah­len, au­ßer­dem wird über die neue Ge­schäfts­ord­nung des Vor­stan­des ab­ge­stimmt, die sich eben­falls im An­hang fin­den.

Frau Cor­ne­lia Lehr (HKM) hat ihre Teil­nah­me zu­ge­sagt und wird über den Stand der Ganz­tags­schul­ent­wick­lung in Hes­sen be­rich­ten.

Teil­nah­me­vor­aus­set­zung ist der Nach­weis der drei G. (ge­ne­sen, ge­impft, ge­tes­tet).

Wegen der ak­tu­el­len Co­ro­na-Ver­ord­nung ist eine vor­he­ri­ge An­mel­dung der Teil­nah­me not­wen­dig:

Bitte mel­den Sie sich per Mail bei Dr. Guido Seel­mann-Eg­ge­bert an.

Wir freu­en uns über Ihre Teil­nah­me.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Dr. Guido Seel­mann-Eg­ge­bert

Ein­la­dung / Ta­ges­ord­nung

Vor­la­ge neue Ge­schäfts­ord­nung

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On­li­ne-Fach­ta­gung des Lan­des­ver­ban­des Hes­sen

Un­se­re Fach­ta­gung ist vor­über, 129 Teil­neh­mer*in­nen waren on­li­ne und Sie er­hal­ten in den fol­gen­den Tagen hier die Ver­spro­che­nen In­for­ma­tio­nen und Kon­takt­da­ten. So­weit uns die Mail­adres­sen der Work­shoplei­ter*in­nen zur Ver­öf­fent­li­chung zur Ver­fü­gung ge­stellt wur­den, sind diese über einen Klick auf den Namen per Mail er­reich­bar. Die Ma­te­ria­len er­hal­ten Sie im di­rek­ten Kon­takt mit den Work­shoplei­ter*in­nen oder über einen Dow­n­load­link beim ent­sprech­ne­den Work­shop / Vor­trag.

Thema: Bil­dung braucht jetzt den Ganz­tag!!!

  1. Die ge­gen­wär­ti­ge Be­deu­tung ganz­tä­gi­ger Bil­dung in der Sek I. (Lei­tung: Dana Birk-Trieb und Chris­ti­an Büh­ler)
  2. Die ge­gen­wär­ti­ge Be­deu­tung ganz­tä­gi­ger Bil­dung in der Grund­schu­le (Lei­tung: Ste­fa­nie Lange / Su­san­ne Jo­hann)
  3. Me­di­en-Bil­dung im Ganz­tag, (Dr. Vol­ker Titel, AfG)
  4. Das Kon­zept der Ganz­tags­klas­sen an der Leib­niz­schu­le, Gym­na­si­um in Of­fen­bach, (Matt­hi­as Schä­fer/ Julia Höf­lich/ Chris­ti­an Büh­ler)
  5. School Life Balan­ce“ – wie kann Ganz­tags­schu­le zur men­ta­len, phy­si­schen und psy­chi­schen Ge­sund­heit bei­tra­gen? (Dr. Roman Ge­or­ge, GEW)
    Prä­sen­ta­ti­on
  6. Der „Darm­städ­ter Weg“ - ein „Sil­ber­streif“ am hes­si­schen Ganz­tags­schul-Ho­ri­zont: Neu durch­kal­ku­liert und pra­xi­ser­probt (Dr. Wal­ter Schnitz­span/ Bil­dungs­bei­rat Wei­ter­stadt, Man­fred Schi­wy/ Schul­lei­ter i.R., Ger­hard Kraft/ Schul­lei­ter i.R.). Die Ma­te­ria­li­en wur­den be­reits an die Teil­neh­mer*in­nen ver­sandt. Schau­en Sie auch in Ihren SPAM-/Jun­kord­ner.
  7. Ko­ope­ra­ti­ons­feld "Schu­le und Ve­rein" - eine wich­ti­ge Brücke zum Wie­der­ein­stieg für Kin­der und Ju­gend­li­che (Ste­phan Schulz-Algie, Sport­bund Hes­sen)
  8. #Be­we­gungJETZT - das Star­ter­pa­ket zum neuen Schul­jahr. Alex­an­der Jor­dan, Zen­tral­stel­le für Schul­sport und Be­we­gungs­för­de­rung (ZFS)

Rede des Vor­sit­zen­den, Dr. Guido Seel­mann-Eg­ge­bert:

Sehr ge­ehr­te Damen und Her­ren, liebe Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus den Schu­len und aus der Bil­dungs­ver­wal­tung, liebe päd­ago­gi­schen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, liebe Er­zie­he­rin­nen und Er­zie­her der Horte und schu­li­schen Ein­rich­tun­gen, liebe Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner, liebe Re­fe­ren­tin­nen und Re­fe­ren­ten.

Im Namen des Ganz­tags­schul­ver­ban­des HESSEN darf ich Sie zu der heu­ti­gen erst­ma­li­gen On­li­ne- Fach­ta­gung recht herz­lich be­grü­ßen und freue mich dar­über, dass wir auch dies­mal ca. 200 An­mel­dun­gen ent­ge­gen­neh­men konn­ten. Es sind alle Schul­for­men hier ver­tre­ten von der Grund­schu­le über KGS/IGS, För­der­schu­len, HR-Schu­len und auch ei­ni­ge Gym­na­si­en, Ver­tre­ter*in­nen der Schul­ver­wal­tung, der städ­ti­schen und Staat­li­chen Schuläm­ter, der Stu­dien­se­mi­na­re Hes­sens, Ver­tre­ter der Ca­ri­tas, ASB u.a. aber auch sechs Teil­neh­mer*in­nen der Deut­schen Schu­le in Va­len­cia/Spa­ni­en, was mich be­son­ders freut, weil ich diese Stadt liebe. Es muss si­cher ein Ver­gnü­gen sein, dort zu ar­bei­ten, wo es die beste Pael­la von Spa­ni­en gibt.
In­zwi­schen ist die jähr­lich statt­fin­den­de Fach­ta­gung des hess. Ganz­tags­schul­ver­ban­des an un­ter­schied­li­chen Orten und un­ter­schied­li­chen Schu­len und dies­mal als vir­tu­el­le Fach­ta­gung zu einem be­lieb­ten Treff­punkt von im Ganz­tags­be­reich tä­ti­gen Fa­ch­ex­per­ten ge­wor­den. Dar­über hin­aus zei­gen die An­mel­de­zah­len, dass der Be­darf nach In­for­ma­tio­nen und Aus­tausch hin­sicht­lich der Ganz­tags­schul­ent­wick­lung in Hes­sen sehr groß ist. Die Teil­neh­mer*in­nen kom­men aus ganz Hes­sen und teil­wei­se auch aus an­de­ren Bun­des­län­dern, um sich aus­zut­au­schen, Neues zu er­fah­ren aus Theo­rie und Pra­xis.
Als wir vor 1 ½ Jah­ren das Thema ›Ge­sun­de Schu­le‹ ge­wählt hat­ten, wuss­ten wir noch nicht, was auf uns zu­kommt vor einem Jahr, das schließ­lich zur Ab­sa­ge der ge­sam­ten Fach­ta­gung führ­te. Aber das rich­ti­ge Thema hat­ten wir schon ge­wählt. Al­ler­dings mit an­de­ren Schwer­punk­ten.
Warum braucht Bil­dung den Ganz­tag jetzt, wie der Titel un­se­rer Fach­ta­gung heißt. Es ist ein Schrei, ein Auf­ruf an die po­li­ti­schen Verant­wort­li­chen, jetzt schnells­tens die Voraus­set­zun­gen zu schaf­fen, um die Ganz­tags­schu­le wie­der für alle Kin­der ein­zu­füh­ren. Wie­de­r­ein­füh­ren soll hei­ßen, den ›Not­be­hel­f‹, der jetzt schon seit über 100 Jah­ren in Deutsch­land vor­herrscht, näm­lich die Halb­tags­schu­le, end­lich zu be­en­den.
Der Che­fre­dak­teur des Wies­ba­de­ner Ku­ri­ers schrieb kürz­lich in einer Ko­lum­ne:
„Da­bei wird es al­ler­höchs­te Zeit, Kita- und Schul­be­treu­ung so schnell und so um­fas­send wie mög­lich auf Ganz­tags­kon­zep­te um­zu­stel­len. Mit­nich­ten nur, um die El­tern zu ent­las­ten. Ein immer grö­ße­rer An­teil der Kin­der rutscht am Nach­mit­tag in die Ab­hän­gig­keit des di­gi­ta­len Dad­delns – ins­be­son­de­re die Jun­gens. Für beide Pro­ble­me gibt es kein bes­se­res Ge­gen­gift als Ganz­tags­schu­le. Noch bes­ser als der Rechts­an­spruch auf Ganz­tag wäre frei­lich die Ganz­tags­schu­le als Re­gel­schu­le bis Klas­se 9 für alle.“

Dem ist ei­gent­lich nichts hin­zu­zu­fü­gen. Die Pan­de­mie hat aber auch deut­lich ge­macht, wie sehr Kin­der und Ju­gend­li­che die Schu­le nicht nur als Ort des Ler­nens, son­dern auch als Ort der so­zia­len Be­zie­hun­gen be­nö­ti­gen.
Al­ler­dings hatte Kul­tus­mi­nis­ter Prof. Lorz in einer Pres­se­er­klä­rung kürz­lich deut­lich ge­macht:
„Statt einer ver­pflich­ten­den Ganz­tags­schu­le für alle set­zen wir auch wei­ter­hin auf eine Viel­falt frei­wil­li­ger Ganz­tags­an­ge­bo­te. Da­durch kom­men wir dem Wunsch vie­ler El­tern nach einer bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Beruf immer stär­ker nach und sind schon jetzt gut vor­be­rei­tet auf den vor­aus­sicht­lich ab dem Jahr 2026 gel­ten­den Rechts­an­spruch auf einen Be­treu­ungs­platz für Grund­schul­kin­der.“
Nir­gend­wo, wie in Deutsch­land, wie es uns die OECD immer wie­der pre­digt, hängt in Eu­ro­pa der Er­folg in der Schu­le vom El­tern­haus ab. Es zeigt die Tat­sa­che, dass der Zu­sam­men­hang von so­zia­ler Her­kunft und Bil­dungs­chan­cen im rei­chen Deutsch­land un­ge­bro­chen wei­ter be­steht, wie zu­letzt die PISA-Stu­die zeig­ten. Kin­dern aus schwie­ri­gen sozio-öko­no­mi­schen Ver­hält­nis­sen er­schwert dies den Bil­dungs­auf­stieg.
Jutta All­men­din­ger, Prä­si­den­tin des Wis­sen­schafts­zen­trums Ber­lin für So­zi­al­for­schung (WZB), hat am 11.8 21 in einem In­ter­view fest­ge­hal­ten:

„Die so­zia­le Ve­rer­bung von Bil­dungs­chan­cen ist in Deutsch­land im­mens, der An­teil von Bil­dungs­ar­men wei­ter hoch. Die Bal­lung in be­stimm­ten so­zia­len Räu­men wird immer mas­si­ver. Noch immer wer­den un­glei­che Aus­gangs­la­gen durch das Bil­dungs­sys­tem vers­te­tigt, wenn nicht ver­schärft. Ver­schärft durch un­zu­rei­chend aus­ge­stat­te­te Schu­len, un­zu­rei­chen­de Per­so­nal­struk­tu­ren, man­geln­de Ge­stal­tungs­mög­lich­kei­ten der Schul- lei­tun­gen. An­ge­sichts der vie­len Fol­gen un­zu­rei­chen­der Bil­dung für den ge­sam­ten Le­bens­ver­lauf un­se­rer Kin­der ist das ein Drama.“

All­men­din­ger for­dert, dass neben dem So­fort­pro­gramm des Bun­des, das hel­fen soll, durch Schul­schlie­ßun­gen ent­stan­de­ne Schä­den zu re­pa­rie­ren, brau­che es einen auf Prä­ven­ti­on aus­ge­rich­te­ten Umbau un­se­res Teil­ha­be- und Si­che­rungs­sys­tems. So heißt es:

„Die Re­form un­se­res Bil­dungs- und Teil­ha­be­ge­set­zes, das Recht auf Ganz­tag, in­klu­si­ve Be­schu­lung, mul­ti­pro­fes­sio­nel­les Per­so­nal an un­se­ren Schu­len und der Mut, un­glei­che Voraus­set­zun­gen un­se­rer Kin­der mit un­glei­chen Maß­nah­men zu be­geg­nen, ma­chen unser Bil­dungs­sys­tem bes­ser und auch kri­sen­fes­ter.“

Der Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­li­cher Klaus Zie­rer sagte kürz­lich in einem In­ter­view, dass bei den Öff­nungs­stra­te­gi­en der Schu­len ein Mas­ter­plan fehle. Es be­nö­ti­ge klare Kon­zep­te, um Lern­rück­stän­de auf­zu­fan­gen. Lang­fris­tig stün­den dabei die De­mo­kra­tie und die Wirt­schaft Deutsch­lands auf dem Spiel. Lang­fris­ti­ge Kon­zep­te gebe es über­haupt nicht, so Zie­rer. Man hat hier viel Zeit ver­lo­ren.
Las­sen Sie mich zum wei­te­ren Ver­ständ­nis ei­ni­ge Worte zur Schul­ge­schich­te sagen.
Vor 101 Jah­ren, also im 1920 hat der da­ma­li­ge preu­ßi­sche Kul­tus­mi­nis­ter in einem Er­lass ver­fügt, dass auch Grund- und Volks­chu­len in Preu­ßen und damit auch in Hes­sen, den NU, also die bis dahin be­ste­hen­de Ganz­tags­schu­len, ab­schaf­fen kön­nen, wenn die El­tern einer Schu­le dem zu­stim­men. Der Er­lass muss unter der Not des 1. Welt­krie­ges ver­stan­den wer­den. Es gab wenig Leh­rer und wenig Schul­raum. Das kommt uns auch heute ir­gend­wie be­kannt vor.
Als vor über 100 Jah­ren schritt­wei­se die Halb­tags­schu­le in Deutsch­land und auch in Hes­sen ein­ge­führt wurde, gab es da­mals schon Kri­ti­ker die­ser Ent­wick­lung:
So frag­te z.B. der Schul­lei­ter Schot­ten aus Meck­len­burg schon 1890 in einem Bei­trag:
„Ist die Spei­sung des Geis­tes denn that­säch­lich so ganz an­ders ge­ar­tet als die des Lei­bes, daß man alles Fut­ter hin­ter­ein­an­der zu ver­ab­rei­chen für rich­tig hält, wäh­rend man doch bei der leib­li­chen Spei­se eine Ver­tei­lung über den Tag für gut er­ach­tet und lange Pau­sen zwi­schen­durch der Ge­sund­heit zu­träg­lich sind?“
Ein be­mer­kens­wer­ter Ver­gleich.
Der Re­formpäd­ago­ge Her­mann Lietz bot vor über 100 Jah­ren die Er­zie­hungs­schu­le auch in Ta­ges­form an. Damit ent­fällt das Abend­pro­gramm der In­ter­nats­schu­le. In der Ta­ges­schu­le sieht er vor allem auch eine Ent­las­tung der El­tern, wobei die Ta­ges­schu­le eng mit ihnen zu­sam­men­ar­bei­ten soll. Deut­lich kri­ti­sier­te er die Ent­ste­hung des ›un­ge­teil­ten‹ Un­ter­richts, also der Halb­tags­schu­le, vor allem an Gym­na­si­en in den großen Städ­ten, und wies auf die Pro­ble­me hin, die vor allem auf die Müt­ter zu­kom­men.
„Denn, o Müt­ter, ge­steht Euch’s nur offen: was wollt ihr denn ei­gent­lich nach­mit­tags mit Euren Jun­gen im Hause und auf der Stra­ße? […] Indem ihr Euere Kin­der mög­lichst viel um Euch habt, ent­frem­det Ihr sie Euch meist.“

In­ter­essant ist dabei, dass die StEG-Stu­die von 2010 deut­lich macht, dass Kin­der sich mit ihren El­tern bes­ser ver­ste­hen, wenn sie mehr­fach in der Woche an den Ganz­tags­an­ge­bo­ten einer Schu­le teil­neh­men. Wei­ter heißt es bei Lietz:
„Doch wenn abends die Kin­der aus Gar­ten, Werk­stät­te, Wald […] zu­rück­keh­ren, hat ihre Lei­den­schaft sich ab­ge­kühlt. Da sind sie denn so zahm, daß man ge­ra­de Eure weib­li­che Sanft­mut und Milde leicht mit ihnen fer­tig wird.“
Die Halb­tags­schu­le war von Be­ginn an eine Not­lö­sung, ein Not­be­helf, wie man vor über 100 Jah­ren sagte. Sie konn­te sich vor allem durch­set­zen, weil der Kai­ser Wil­helm II auf der Reichs­schul­kon­fe­renz von 1890 ge­for­dert hatte, den Nach­mit­tag von Un­ter­richt frei zu hal­ten, damit die Kin­der das Ex­er­zie­ren ler­nen und sich sport­lich er­tüch­ti­gen in Vor­be­rei­tung kom­men­der Krie­ge.
Es gab viele War­nun­gen vor dem Schritt in die Halb­tags­schu­le, sie blie­ben aber weit­ge­hend un­be­ach­tet. Der Über­gang zur Halb­tags­schu­le in Hes­sen aber auch in Deutsch­land war eine bil­dungs­po­li­ti­sche, päd­ago­gi­sche und so­zi­al­po­li­ti­sche Fehl­ent­wick­lung, mit der wir uns heute noch her­um­schla­gen. Die Kür­zung der Un­ter­richts­stun­de von 60 auf 45 Mi­nu­ten hat zu einem deut­li­chen Ver­lust an Lern­zeit von er­heb­li­chen Aus­ma­ßen ge­führt.
Warum eine päd­ago­gi­sche Fehl­ent­wick­lung?
Eine über viele Jahr­hun­der­te lange Er­fah­rung mit einer Ver­tei­lung des Un­ter­richts auf Vor- und Nach­mit­tag hat deut­lich ge­macht, dass Ler­nen sich auf den ge­sam­ten Tag ver­tei­len soll­te. Das Zu­sam­mendrän­gen des Un­ter­richts auf den Vor­mit­tag hat das lange be­währ­te Rhyth­mi­sie­rungs­kon­zept zer­stört.
Der Psych­ia­ter Richard Kraft-Ebing plä­dier­te vor 150 Jah­ren daher auch aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den für eine Ver­tei­lung des Un­ter­richts auf Vor- und Nach­mit­tag, wenn er schreibt:
„Auf 2 - 3 Stun­den geis­ti­gen Ar­beits­stun­den soll­te eine Er­ho­lungs­pau­se fol­gen. Ein Schü­ler, der 4 Stun­den hin­ter­ein­an­der zu leis­ten hat, leis­tet we­ni­ger und ist mehr an­ge­strengt, als der, wel­cher sein Pen­sum auf Vor- und Nach­mit­tag mit Zwi­schen­pau­sen ein­tei­len kann...Die we­nigs­ten Men­schen sind im­stan­de, län­ger als 3 Stun­den an­ge­strengt geis­tig zu ar­bei­ten.“
Eine in­ter­essan­te Äu­ße­rung, die auch heute Gül­tig­keit hat, wenn es um Fra­gen der rich­ti­gen Rhyth­mi­sie­rung geht. Prof. Pau­lus von der Uni Ol­den­burg schrieb be­reits 2010:
„Ganz­tags­schu­len ver­fü­gen durch den Zu­ge­winn an Raum, Zeit und Ko­ope­ra­ti­on über ein be­son­de­res Po­ten­ti­al und kön­nen die Ent­wick­lung ihrer Schü­ler*in­nen po­si­tiv be­ein­flus­sen.“ „Für den Lern-, Le­bens- und Ar­beit­s­ort Schu­le er­gibt sich dar­aus [an Ganz­tags­schu­len] nach Pau­lus die Not­wen­dig­keit der zeit­li­chen Neu­struk­tu­rie­rung des Ta­ge­sab­lau­fes nach Kon­zep­ten der in­ne­ren und äu­ße­ren Rhyth­mi­sie­rung.“
Ein Bus­fah­rer muss heute nach spä­tes­tens 4,5 Stun­den eine min­des­tens 45 – mi­nü­ti­ge Pause ein­le­gen. Ein bis zu 6-stün­di­ger Un­ter­richt am Vor­mit­tag ist nicht nur für die Schü­ler*in­nen eine Zu­mu­tung, son­dern auch für den/der un­ter­rich­ten­den Leh­rer*in. 60% aller Leh­re­rin­nen und Leh­rer seien daher auch heute ge­sund­heit­lich ge­fähr­det. „Un­üb­li­che hohe Er­kran­kungs­zah­len und Früh­pen­sio­nie­run­gen zeich­nen den Be­rufs­stand aus,“ hält Prof. Olaf-Axel Burow mit Hin­weis auf die Pots­da­mer Leh­rer­stu­die von 2005 fest. In der For­de­rung nach einer ›Ge­sun­den Schu­le‹ sind viele Ele­men­te einer rhyth­mi­sier­ten Ganz­tags­schu­le in ge­bun­de­ner Kon­zep­ti­on ent­hal­ten. Ein ›rhyth­mi­sier­ter Ta­ge­sab­lauf‹ mit Pha­sen der Un­ter­richts­un­ter­bre­chung und län­ge­rer Pau­sen hätte si­cher einen för­der­li­chen Ein­fluss auf die Leh­rer­ge­sund­heit und die Auf­merk­sam­keit von Kin­dern und Ju­gend­li­chen. Ru­heräu­me und Ar­beitsplät­ze kön­nen eben­falls einen güns­ti­gen Ein­fluss auf die Leh­rer­ge­sund­heit haben. Die Leh­rer­ge­sund­heit hat aber eine zen­tra­le Be­deu­tung für einen guten Un­ter­richt.
Die Mehr­heit der bun­des­deut­schen El­tern be­für­wor­tet laut Ifo-In­sti­tut die ge­bun­de­ne Ganz­tags­schu­le und wünscht sich eine flä­chen­de­cken­de ge­bun­de­ne Ganz­tags­schu­le, vor allem dann, wenn die ver­pflich­ten­de Teil­nah­me be­son­ders an Grund­schu­len nicht zu spät, etwa gegen 15.00 Uhr endet, mit an­schlie­ßen­der Be­treu­ungs­mög­lich­keit, wo sie ge­braucht wird.
Es gibt ja noch Wi­der­stän­de gegen die rhyth­mi­sier­te und ge­bun­de­ne Ganz­tags­schu­le, vor allem aus kon­ser­va­ti­ven Krei­sen und Par­tei­en, aber auch einer El­tern­schaft, die eine Ver­bes­se­rung von Bil­dungs­ge­rech­tig­keit durch die Ganz­tags­schu­le be­fürch­ten, es könn­te ja zum Nach­teil der ei­ge­nen Kin­der sein, ohne dabei die Fol­ge­kos­ten zu be­rück­sich­ti­gen, die durch feh­len­de und man­gel­haf­te Bil­dung für Kin­der aus bil­dungs­fer­nen Schich­ten auch für die kom­men­de Ge­ne­ra­ti­on ent­ste­hen Aber auch aus Leh­rer­krei­ses kommt Wi­der­stand. Teil­wei­se si­cher nach­voll­zieh­bar, weil die Voraus­set­zun­gen in per­so­nel­ler Hin­sicht und der not­wen­di­gen Aus­stat­tung von Schu­len oft­mals nicht ge­ge­ben sind. Teil­wei­se aber auch aus Furcht vor dem Ver­lust frei ver­füg­ba­rer Zeit am Nach­mit­tag oder auch aus grund­sätz­li­cher Angst vor Ver­än­de­run­gen. Der nor­we­gi­sche Schul­ent­wick­ler Per Dalin ur­teil­te aber schon in den sieb­zi­ger Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts: „Schu­len än­dern sich lang­sa­mer als Kir­chen!“
Unter ge­sund­heit­li­chen Aspek­ten ist die Ganz­tags­schu­le ein großer Vor­teil für die Leh­rer­schaft, weil der enor­me Zeit­druck am Vor­mit­tag der Halb­tags­schu­le ge­min­dert wird. Nicht nur Kin­der, son­dern auch die Leh­rer pro­fi­tie­ren von einer ge­sund­heits­för­dern­den Rhyth­mi­sie­rung des Ta­ge­sab­laufs.
Unser heu­ti­ger Gast Prof Olaf-Axel Burow macht auch dar­auf auf­merk­sam, dass Leh­rer sich oft­mals über­for­dert füh­len. Dies gelte of­fen­sicht­lich für alle Schul­for­men. Die Ganz­tags­schu­le biete je­doch mehr Mög­lich­kei­ten, den Schulall­tag po­si­tiv zu er­le­ben und eine wert­schät­zen­de Schu­le zu ge­stal­ten.
Im Rah­men einer Be­fra­gung von Lehr­kräf­ten zeig­te sich, „dass Lehr­kräf­te an Ganz­tags­schu­len im We­sent­li­chen keine an­ders ge­ar­te­te Be­las­tung er­le­ben als an Halb­tags­schu­len. Auch die Bean­spru­chung ist ver­gleich­bar aus­ge­prägt [...] und der Aus­tausch, als eine Form der Leh­rer­ko­ope­ra­ti­on, [hat] einen po­si­ti­ven Ef­fekt auf die sub­jek­tiv wahr­ge­nom­me­ne Be­las­tung.“
Die Leh­rer­schaft hatte mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tels den frei­en Nach­mit­tag an hö­he­ren aber auch an Volks­schu­len durch­ge­setzt, ohne Rück­sicht auf die vor­ge­tra­ge­nen Ge­gen­ar­gu­men­te. Sie hat­ten in Kauf ge­nom­men, dass der ge­sam­te Un­ter­richt auf den Vor­mit­tag ge­zwängt wurde mit nach­tei­li­gen Fol­gen für die Schü­ler aber auch für die Leh­rer. Dabei ist, wie der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der GEW, Die­ter Wun­der, ver­merkt,
„der Ar­beit­sall­tag einer Ganz­tags­schu­le (ist) für Lehr­per­so­nen an­ge­neh­mer als an einer Halb­tags­schu­le. Die Be­las­tun­gen an­stren­gen­den Un­ter­richts ver­tei­len sich bes­ser, ein Teil der Pf­licht­stun­den be­steht nicht in Un­ter­richt, son­dern in Auf­ga­ben­auf­sicht, in Mit­tags­pau­seauf­sich­ten und Hobby- und Frei­zeit­an­ge­bo­ten. Der All­tag wird ab­wechs­lungs­rei­cher, der Dau­erstress des Un­ter­richts­vor­mit­tags ver­schwin­det.“
Fol­gen der Pan­de­mie - Si­tua­ti­on in Hes­sen wäh­rend der Pan­de­mie
Ich möch­te an die­ser Stel­le nicht die Ver­säum­nis­se der letz­ten 1 ½ Jahre auf­zäh­len, son­dern es bei einem Sta­te­ment des neuen Vor­sit­zen­den des LEB, Herr Volk­mar Heit­mann be­las­sen, der in einem In­ter­view mit dem WK auf die Frage, wel­che Schul­no­te er dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um nach ein­ein­halb Jah­ren Pan­de­mie geben würde, fol­gen­des sagte:

“Eine kon­kre­te Note würde ich nicht nen­nen, al­lein schon aus päd­ago­gi­schen Grün­den. Es wäre mit Si­cher­heit aber keine gute Note. Ich würde von einer päd­ago­gi­schen Ver­set­zung spre­chen.“
Vor allem die Schlie­ßung der Schu­len habe nicht nur zu Lern­rück­stän­den, son­dern auch zu viel­fäl­ti­gen so­zia­len und psy­chi­schen Pro­ble­men bei Schü­le­rin­nen und Schü­ler ge­führt. Stress ist ein wach­sen­des Pro­blem an Hes­sens Schu­len: Jedes sechs­te Kind lei­det dar­un­ter, sagt eine Stu­die. Nach einer Be­fra­gung von mehr als 50 000 Schü­lern in Hes­sen auf einem Fach-kon­gress in Gie­ßen vor ei­ni­gen Wo­chen hat die Lan­des­schü­ler­ver­tre­tung einen um­fangrei-chen For­de­rungs­ka­ta­log zu­sam­men­ge­stellt. Er zielt dar­auf ab, die wach­sen­den psy­chi­schen Pro­ble­me der Schü­ler ge­zielt an­zu­ge­hen. Nach der Er­he­bung haben mehr als die Hälf­te der Mit­tel­stu­fen- und gut 60 Pro­zent der Ober­stu­fen­schü­ler unter Schulstress und Schlim­me­rem zu lei­den.
Neben Mob­bing und Cy­bermob­bing ma­chen die Schü­ler­ver­tre­ter auch den zu­neh­men­den Leis­tungs- und No­ten­druck in den Schu­len für Schlaf­stö­run­gen, Bur­nout, De­pres­sio­nen und an­de­re Sym­pto­me die­ser Art ver­ant­wort­lich. Man­che Schü­ler setz­ten sich selbst unter Druck und mach­ten Haus­auf­ga­ben bis Mit­ter­nacht oder lern­ten so lange für Klas­sen­ar­bei­ten.
Eine For­de­rung auf dem Kon­gress war daher, Haus­auf­ga­ben durch ge­mein­schaft­li­ches Ler­nen nach dem Un­ter­richt zu er­set­zen, am bes­ten noch in­ner­halb der Schu­le. Eine For­de­rung, die man durch die Ein­füh­rung der Ganz­tags­schu­le in Form von Lern­zei­ten gut um­set­zen kann.
Ganz­tags­schu­le ist nicht die Fort­set­zung der Halb­tags­schu­le auf den ge­sam­ten Tag. Mit einer Neuen Lern­kul­tur, Rhyth­mi­sie­rung des Ta­ge­sab­laufs, Lern­zei­ten statt Haus­auf­ga­ben, kul­tu­rel­le Bil­dung durch Ko­ope­ra­ti­on mit au­ßer­schu­li­schen Trä­gern u. a. kann sich das Ler­nen an ganz­tä­gig ar­bei­ten­den Schu­len po­si­tiv ver­än­dern. Das „Mehr an Zeit“ er­laubt und er­mög­lichst neue For­men des Leh­rens und Ler­nens. Schu­le als Le­bens­raum und Le­bens­welt ernst zu neh­men be­deu­tet, dass das Lern­an­ge­bot auch in so­zia­ler und kul­tu­rel­ler Hin­sicht aus­ge­baut wer­den soll­te. Somit sind Ganz­tags­schu­len grund­sätz­lich Mo­to­ren der Schul­ent­wick­lung, dies wird auch daran deut­lich, dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der Deut­sche Schul­preis re­gel­mä­ßig an Ganz­tags­schu­len ver­ge­ben wurde.
Las­sen Sie mich aber auch noch etwas zur Ganz­tags­schul­ent­wick­lung in HESSEN
Ich möch­te heute nicht auf die jah­re­lan­gen Ver­säum­nis­se hes­si­scher Bil­dungs­po­li­tik in Sa­chen Ganz­tags­aus­bau auf­zäh­len, son­dern einen Blick in die Per­spek­ti­ven der Zu­kunft wer­fen. Die Er­geb­nis­se der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen vor ei­ni­gen Jah­ren, fest­ge­hal­ten im Koali­ti­ons­ver­trag, stimm­ten mich ver­hal­ten op­ti­mis­tisch, was die Wei­ter­ent­wick­lung der Ganz­tags­schu­le in Hes­sen an­be­trifft. Hes­sen kehrt, wenn auch in sehr klei­nen Schrit­ten, wie­der zur Ganz­tags­schu­le zu­rück. Die of­fe­nen Mo­del­le sind je­doch nur Über­gangs­er­schei­nun­gen. Sie haben per­spek­ti­visch keine Zu­kunft. Wir sehen in dem Koali­ti­ons­ver­trag zum ›Aus­bau von Ganz­tags­an­ge­bo­ten‹ eine Reihe von For­de­run­gen des Ganz­tags­schul­ver­ban­des HESSEN durch­aus er­füllt. Die Wei­ter­ent­wick­lung des PfN zum ›Pakt für den Ganz­tag‹ und der Mög­lich­keit, eines ver­pflich­ten­den Ganz­ta­ges bis 14.30 zu ent­wi­ckeln, ent­spricht in­halt­lich un­se­ren For­de­run­gen.
Damit wird im Koali­ti­ons­ver­trag fest­ge­setzt, was ein­zel­ne Schu­len be­reits jetzt prak­ti­zie­ren, aber meist nicht die dafür be­nö­tig­ten Res­sour­cen er­hal­ten. Nach un­se­rem Ver­ständ­nis sind aber auch Grund­schu­len, die ein ver­pflich­ten­des An­ge­bot bis min­des­tens 14.30 Uhr mit an­schlie­ßen­der frei­wil­li­ger kom­mu­na­ler Be­treu­ung durch­füh­ren, durch­aus als Ganz­tags­schu­le zu be­zeich­nen. Damit die Grund­schu­len den von der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­se­he­nen ›Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung im Grund­schulal­ter‹ er­fül­len kön­nen, soll der Weg ge­öff­net wer­den.
„Da­für wer­den wir allen Grund­schu­len und Grund­stu­fen von För­der­schu­len den Weg in den „Pakt für den Ganz­tag“ er­öff­nen und die er­for­der­li­chen Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stel­len. Au­ßer­dem wol­len wir den Schul­trä­gern die Op­ti­on er­öff­nen, die Ein­rich­tung ganz­tä­gig ar­bei­ten­der Schu­len ver­bind­lich in ihren Schul­ent­wick­lungs­plä­nen zu re­geln.“
Der Koali­ti­ons­ver­trag zeigt, dass man die Ganz­tags­schul­ent­wick­lung durch­aus vor­an­trei­ben und trotz­dem noch am »Prin­zip der Frei­wil­lig­keit« fest­hal­ten kann. In­so­fern stellt der Ver­trag ein klei­ner Schritt in die Wei­ter­ent­wick­lung dar. Es bleibt aber zu hof­fen, dass die not­wen­di­gen Res­sour­cen, die ja durch­aus im hes­si­schen Haus­halt vor­han­den sind/oder waren, tat­säch­lich auch frei­ge­ge­ben wer­den. Das Ziel ist al­ler­dings noch zu un­prä­zi­se. Es wäre wün­schens­wert, wenn es auch einen Zeit­plan gäbe, bis wann man das jet­zi­ge Ganz­tags­be­treu­ungs­sys­tem auf ein Ganz­tags­schul­sys­tem um­zu­stel­len ge­denkt.
So er­freu­lich die Ab­sich­ten der neuen Lan­des­re­gie­rung im Aus­bau der Ganz­tags­schu­len teil­wei­se sind, sie sind ja auch längst über­fäl­lig, so gibt es aber keine Aus­sa­gen zu einer Ver­bes­se­rung der Leh­rer­ver­sor­gung an hes­si­schen Ganz­tags­schu­len. Die GEW hat das mit Recht in einer ers­ten Stel­lung­nah­me kri­ti­siert.
Laut der Stu­die von Klaus Klemm und Dirk Zorn im Auf­trag der Ber­tels­mann Stif­tung von 2016 hält Hes­sen im Bun­des­ver­gleich mit 22,4 zu­sätz­li­chen Zeit­stun­den an ge­bun­de­nen Ganz­tags­grund­schu­len in der Woche die höchs­ten zu­sätz­li­chen Stun­den fest. Die Schu­len al­ler­dings er­hal­ten laut Stu­die nur 5 zu­sätz­li­che Leh­rer­zeit­stun­den pro Klas­se (Klemm/Zork, 2016, S. 28 und S. 30). Somit er­hal­ten sie weit we­ni­ger als die Hälf­te der not­wen­di­gen Stel­len zur Ab­de­ckung des Ganz­tags­an­ge­bots. Klaus Klemm ver­merkt dazu:

„Die in den Er­las­sen do­ku­men­tier­te Be­reit­schaft zur lan­des­sei­ti­gen er­gän­zen­den Aus­stat­tung ge­bun­de­ner Ganz­tags­grund­schu­len ist der­art ab­so­lut be­trach­tet sehr auf­schluss­reich, denn sie ver­rät etwas über den in­ten­dier­ten po­li­ti­schen Wil­len und die Be­reit­schaft, für den Fall eines Aus­baus die­ses Or­ga­ni­sa­ti­ons­mo­dells die Schu­len ver­läss­lich und lan­des­ein­heit­lich mit Per­so­nal zu ver­sor­gen. (Klemm/Zork, 2016, S. 30).“

Wenn es die Lan­des­re­gie­rung tat­säch­lich ernst meint mit dem not­wen­di­gen Aus­bau von ge­bun­de­nen und rhyth­mi­sier­ten Ganz­tags­schu­len, dann muss sie jetzt auch die er­for­der­li­chen Res­sour­cen den Schu­len zur Ver­fü­gung stel­len. Sonst braucht man sich nicht zu wun­dern, wenn viele Schu­len sich nicht auf das Ex­pe­ri­ment »Ganz­tags­schu­le« ein­las­sen wol­len. Gute Ganz­tags­schu­len brau­chen ein en­ga­gier­tes Kol­le­gi­um, ein ziel­füh­ren­des Ganz­tags-Kon­zept und eine aus­rei­chen­de zu­sätz­li­che Ver­sor­gung mit zu­sätz­li­chen Leh­rern, wei­te­ren päd­ago­gi­schen und an­de­rem Per­so­nal im Rah­men eines mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Teams. Das ist z. Z. in Hes­sen nicht ge­währ­leis­tet.
Für Ganztgs­schu­len muss Schul­geld­frei­heit gel­ten. Schu­len dür­fen nicht ge­zwun­gen sein, Bei­trä­ge zu kas­sie­ren, damit sie ihre Ho­no­rar­kräf­te be­zah­len kön­nen. Be­son­ders Grund­schu­len gehen ver­stärkt den Weg in die Ganz­tags­schu­le. Umso wich­ti­ger er­scheint es mir die Leh­re­rin­nen und Leh­rer an Grund­schu­len für das En­ga­ge­ment auch an­ge­mes­sen, näm­lich end­lich auch nach A13 zu ho­no­rie­ren. Auch das ist seit Jah­ren längst über­fäl­lig. Aber auch das üb­ri­ge wich­ti­ge und not­wen­di­ge Per­so­nal an Ganz­tags­schu­len muss durch so­li­de Ver­trä­ge für ihre Ar­beit an­ge­mes­sen be­zahlt wer­den.
In der HR – Nach­rich­ten­sen­dung vom 17. 1. 2021: Zur Bilanz der Re­gie­rung nach einem Jahr er­hält die Ent­wick­lung zur geb. Ganz­tags­schu­le ein deut­li­ches Minus: Auf Nach­fra­ge im HKM soll ge­sagt wor­den sein, dass es dafür keine Nach­fra­ge gäbe.
Die Bun­des­re­gie­rung will mit dem Ge­setz zur ganz­tä­gi­gen För­de­rung von Kin­dern im Grund­schulal­ter (GaFöG) und der damit ver­bun­de­nen Ein­füh­rung des Rechts­an­spruchs einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung der Bil­dungs­chan­cen durch mehr in­di­vi­du­el­le För­de­rung von Grund­schul­kin­dern sowie zur Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fa­mi­lie leis­ten.
Der Rechts­an­spruch soll jetzt 2026 kom­men, nach­dem der Bun­des­rat end­gül­tig zu­ge­stimmt hat, müss­ten in Hes­sen noch 50.000 Plät­ze an Grund­schu­len ge­schaf­fen wer­den, so Kul­tus­mi­nis­ter Lorz in einer Fra­ge­stun­de am 6. Juli.
Nur 18,76% der hes­si­schen Grund­schu­len nimmt am Pakt für den Nach­mit­tag teil. Dies geht aus der Ant­wort auf un­se­re Klei­ne An­fra­ge „Ganz­tä­gig ar­bei­ten­de Schu­len im Schul­jahr 2020/21“ her­vor. Le­dig­lich 12 von 1.200 Grund­schu­len sind in Pro­fil 3 also rhyth­mi­sier­te ge­bun­de­ne Ganz­tags­schu­len. An­ge­sichts die­ser Zah­len wird deut­lich, dass es für viele El­tern vom Zu­fall ab­hängt, ob sie bis zur Ein­füh­rung des Rechts­an­spruchs in Hes­sen einen Platz haben wer­den.
Si­cher ken­nen viele von Ihnen den Ab­schluss­be­richt ›Eva­lua­ti­on Pakt für den Nach­mit­tag‹ von Fi­scher/Kuhn. Die Au­to­ren kom­men zu durch­aus in­ter­essan­ten Er­geb­nis­sen. Neben durch­aus auch po­si­ti­ven Be­wer­tun­gen im Rah­men der Eva­lua­ti­on, vor allem der Be­treu­ungs­a­spekt für be­rufs­tä­ti­ge El­tern, wird aber auch fest­ge­hal­ten:
-Finan­zi­el­le Be­las­tung hält El­tern davon ab, ihr Kind im Pakt an­zu­mel­den, daher keine Aus­wir­kun­gen auf mehr Chan­cen­ge­rech­tig­keit durch den Pakt.
-Fi­scher/Kuhn emp­feh­len ein mo­de­ra­tes ver­bind­li­ches Ganz­tags­mo­dell bis 14.00 Uhr, damit Lern­zei­ten für alle Kin­der zur Ver­fü­gung ste­hen.
Eine Emp­feh­lung, die üb­ri­gens in Dä­ne­mark vor ei­ni­gen Jah­ren für die Jün­ge­ren Kin­der bis Klas­se 4 ver­bind­lich fest­ge­legt wurde. Die bis dahin frei­wil­li­ge An­ge­bo­te am Nach­mit­tag hat­ten sich dort of­fen­sicht­lich nicht be­währt.
Rolf Rich­ter hat sich in­ten­siv mit den Pro­gram­men der Par­tei­en be­schäf­tigt, was deren Aus­sa­gen zur Ganz­tags­schu­le be­trifft. Die kon­ser­va­tiv-bür­ger­li­chen Par­tei­en spre­chen nur von Be­treu­ung am Nach­mit­tag und las­sen den Be­griff Ganz­tags­schu­le ganz weg. Es lohnt sich, die Er­geb­nis­se im vor­letz­ten Newslet­ter des Ganz­tags­schul­ver­ban­des nach­zu­le­sen.
Üb­ri­gens: In einer Pres­s­er­klä­rung des VBE, GEW und deut­schen Leh­rer­ver­ban­des vom 30. 8. 21 wer­den eine Reihe von durch­aus sinn­vol­len Vor­schlä­gen un­ter­brei­tet, wie man die Fol­gen der Pan­de­mie ver­rin­gern kann. Das Thema Ganz­tags­schu­le wurde al­ler­dings von kei­nem ge­nannt.
Ich komme zum Schluss mit ei­ni­gen Dank­sa­gun­gen
Dank an die vie­len Work­shop-Lei­ter/innen und an­de­ren, die wir für diese Ver­an­stal­tung ge­win­nen konn­ten. Dank an die an künf­ti­ge Vor­stands­ar­beit in­ter­es­sier­ten Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, Dana Birk Ste­fa­nie Lange, Su­san­ne Jo­hann und Chris­ti­an Büh­ler, die en­ga­giert die heute Fach­ta­gung in­halt­lich mit­ge­stal­te­ten, be­son­ders aber auch Dank an Rolf Rich­ter, der uns in der Vor­be­rei­tung der Fach­ta­gung durch sei­nen Sach­ver­stand groß­ar­tig un­ter­stützt hat und die ge­sam­ten An­mel­dun­gen für die Fach­ta­gung ent­ge­gen­ge­nom­men hat. Das war si­cher eine Rie­sen­ar­beit. Vie­len, vie­len Dank lie­ber Rolf.
Dank an Dr. Vol­ker Titel von der AfG, der diese Fach­ta­gung mit sehr viel Sach­ver­stand und der Ver­fü­gung­stel­lung von Zoom mit vor­be­rei­tet hat.

Las­sen Sie mich zum Ab­schluss noch auf fol­gen­des hin­wei­sen.
Der Ganz­tags­schul­ver­band ver­steht sich na­tür­lich auch als An­walt der Schu­len, die ganz­tä­gig ar­bei­ten oder ganz­tä­gig in Zu­kunft ar­bei­ten wol­len, also aller drei Pro­fi­le. Wir wis­sen um die Nöte der Schu­len vor Ort, die aller­größ­ten Pro­ble­me haben, an­ge­sichts der ge­rin­gen per­so­nel­len und fi­nan­zi­el­len Aus­stat­tung ein at­trak­ti­ves Ganz­tags­an­ge­bot um­zu­set­zen.
Erin­nern wir uns, die Ganz­tags­schu­le ist die Schu­le der Zu­kunft, Sie alle ar­bei­ten daher an einem Zu­kunfts­pro­jekt, dar­auf kön­nen Sie auch stolz sein, auch wenn sie noch nicht im Pro­fil 3 sind.
Für diese große Auf­ga­be sind - die Kräf­te aller not­wen­dig - vor allem En­ga­ge­ment der Päd­ago­gen vor Ort, ge­mein­sam mit Schü­lern und El­tern.

Ein paar Worte noch in ei­ge­ner Sache
Ich bin nun 18 Jahre Lan­des­vor­sit­zen­der, damit 2 Jahre län­ger als An­ge­la Mer­kel im Amt. Ich habe da­mals die Auf­ga­be in schwie­ri­gen Zei­ten über­nom­men und möch­te jetzt den Vor­sitz in neue und jün­ge­re Hände über­ge­ben. Der Ver­band ist in­zwi­schen au­ßer­or­dent­lich gut auf­ge­stellt. Wir wer­den wahr­ge­nom­men! Ich habe mich in den letz­ten Jah­ren ver­stärkt mit der Frage be­schäf­tigt, wie es in Deutsch­land zu dem eu­ro­päi­schen Son­der­fall „Halb­tags­schu­le“ über­haupt ge­kom­men ist und habe in die­sem Früh­jahr auch dar­über pro­mo­viert. Z. Z. ar­bei­te ich an meh­re­ren klei­nen Bänd­chen zur Ent­ste­hung der Halb­tags­schu­le in den Bun­des­län­dern. Zu Hes­sen habe ich mit Dr. Vol­ker Titel als Her­aus­ge­ber letz­tes Jahr auch einen Band pu­bli­ziert. Titel: ›Ganz­tags­schu­le oder Halb­tags­schu­le - Hes­sen– Zeit­kon­zep­te vom Mit­tel­al­ter bis in die Neu­zeit.‹
Ich wün­sche mir bei den am 6. Ok­to­ber statt­fin­den­den Wah­len, dass neue Ge­sich­ter im Vor­stand dem Lan­des­ver­band auch neue Im­pul­se geben und dass die er­folg­rei­che Ar­beit der ver­gan­ge­nen Jahre wei­ter­ge­führt wird.
Vie­len Dank!

Vor­trag:

Prof. Dr. Olaf-Axel Burow (Die Co­ro­na-Chan­ce: Sie­ben Schrit­te zur „Re­si­li­en­ten Schu­le“)

Dow­n­load PPT des Vor­tra­ges gül­tig bis 03.10.2021

Dr. Guido Seel­mann-Eg­ge­bert, Lan­des­vor­sit­zen­der

Dow­n­load Ein­la­dung und Pro­gramm

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Aus dem hes­si­schen Land­tag

Wies­ba­den im Juni 2021. In einer „Klei­nen An­fra­ge“ der SPD im Hes­si­schen Land­tag vom 29.1. 2021 wur­den 7 Fra­gen zur Ganz­tags­schul­ent­wick­lung von Kul­tus­mi­nis­ter Prof. Lorz be­ant­wor­tet.

Von Dr. Guido Seel­mann-Eg­ge­bert, Lan­des­vor­sit­zen­der Hes­sen

Vor­be­mer­kung Fra­ge­stel­ler:

Im Schul­jahr 2019/2020 ar­bei­te­ten 611 Schu­len in Pro­fil 1 und 224 Schu­len in Pro­fil 2. 109 Schu­len ar­bei­te­ten als ge­bun­de­ne Ganz­tags­schu­len in Pro­fil 3. Ins­ge­samt 253 Grund­schu­len und Grund­stu­fen von För­der­schu­len nah­men am Pakt für den Nach­mit­tag teil. 473 all­ge­mein­bil­den­de Schu­len nah­men an kei­ner­lei Ganz­tags­pro­gramm teil.

Im Schul­jahr 2019/2020 nah­men 35.336 Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus 26 Schul­trä­ger­be­zir­ken in 253 Schu­len am Pakt für den Nach­mit­tag teil. An 28 Pakt­schu­len wur­den im Schul­jahr 2018/2019 für die Zeit bis 14.30 Uhr El­tern­bei­trä­ge er­ho­ben, die sich lan­des­weit zwi­schen 10 € und 89 € pro Monat be­weg­ten. Für die Teil­nah­me an Bil­dungs- und Be­treu­ungs­an­ge­bo­ten in der Zeit nach 14.30 Uhr wur­den gemäß der Ant­wort der Lan­des­re­gie­rung auf die Klei­ne An­fra­ge 20/956 von 208 Pakt­schu­len El­tern­bei­trä­ge er­ho­ben, die sich lan­des­weit je nach Um­fang der in An­spruch ge­nom­me­nen Leis­tun­gen zwi­schen 35€ und 170 € pro Monat be­weg­ten.

Vor­be­mer­kung Kul­tus­mi­nis­ter:

Im lau­fen­den Schul­jahr 2020/2021 ar­bei­ten ins­ge­samt 1.225 Schu­len im Lan­des­pro­gramm. Dies sind 73 % aller Schu­len der Pri­mar­stu­fe und der Se­kun­dar­stu­fe I. Ins­be­son­de­re der An­teil der Grund­schu­len und ver­bun­de­nen Grund­schu­len, die in einem Lan­des­pro­fil ar­bei­ten, konn­te in den letz­ten Jah­ren enorm ge­stei­gert wer­den. Zu Be­ginn des Schul­jah­res 2013/2014 nah­men 38 % aller Grund­schu­len und ver­bun­de­nen Grund­schu­len an einem Ganz­tags­pro­fil teil. Im lau­fen­den Schul­jahr konn­te der An­teil auf 64 % ge­stei­gert wer­den. Bei der Teil­nah­me von Schü­le­rin­nen und Schü­lern an ganz­tä­gi­gen An­ge­bo­ten be­legt Hes­sen im bun­des­wei­ten Ver­gleich der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz von 2018 den vier­ten Platz. Der Aus­bau ganz­tä­gi­ger An­ge­bo­te in Hes­sen ist auch das Er­geb­nis einer guten und ste­ti­gen Ko­ope­ra­ti­on mit den Schul­trä­gern. In den zu­rück­lie­gen­den, her­aus­for­dern­den Mo­na­ten der welt­wei­ten Co­ro­na­pan­de­mie haben sich die viel­fäl­ti­gen ganz­tä­gi­gen An­ge­bo­te in den Schu­len bes­tens be­währt und ge­zeigt, dass sie auch auf fle­xi­ble An­for­de­run­gen und Be­dar­fe für die Ein­rich­tung von Not­be­treu­un­gen Diese Vor­be­mer­kun­gen vor­an­ge­stellt, be­ant­wor­te ich die Klei­ne An­fra­ge wie folgt:

Lesen Sie alle Fra­gen und Ant­wor­ten im Wort­laut hier nach.

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Kom­men­tar zum Ge­setz­ent­wurf zur An­pas­sung des HSG

von Dana Birk/ Ste­fa­nie Lang/ Su­san­ne Jo­hann, Lan­des­ver­band Hes­sen

Wies­ba­den 11.04.2021. Bei dem Ge­setz­ent­wurf fällt auf – wie bei vie­len Ak­tio­nen des HKM in der Co­ro­na-Krise – dass wie­der Schu­len, die ganz­tä­gig ar­bei­ten, nicht mit­be­dacht wur­den.

In der „Richt­li­nie für ganz­tä­gig ar­bei­ten­de Schu­len in Hes­sen nach §15 HSG“ wird ex­pli­zit die „Ver­zah­nung von Un­ter­richt, Ganz­tags­an­ge­bo­ten und an­de­ren schu­li­schen Vor­ha­ben“ (2.2) ge­for­dert.

Wir wer­den nicht müde, an die­ses wich­ti­ge Vor­ha­ben zu er­in­nern. Es ist die Basis, die für eine gute Ganz­tags­ar­beit an Schu­len von Sei­ten des HKM ge­legt wer­den muss.

Ge­setz­lich ver­an­ker­te Ver­zah­nung von Un­ter­richt und ganz­tä­gi­gen An­ge­bo­ten

Wir brau­chen, um die in den Cur­ri­cu­la auf­ge­zeig­te ganz­heit­li­che Bil­dung auch in der Co­ro­na­kri­se für alle Kin­der und Ju­gend­li­chen ge­währ­leis­ten zu kön­nen, be­son­ders jetzt die kon­se­quen­te Ver­zah­nung von Un­ter­richt und Ganz­tag.

Ins­be­son­de­re im über­fach­li­chen Be­reich der so­zia­len und per­so­na­len Kom­pe­ten­zen kön­nen di­gi­ta­le An­ge­bo­te zwar me­dien­be­zo­gen bil­dungs­er­wei­tern­de Aspek­te er­fül­len, der Grad an ganz­heit­li­cher Bil­dung gerät aber par­al­lel dazu in Ge­fahr. Er ver­schmä­lert sich und gerät leicht in einen Kor­ri­dor der rein di­gi­ta­len Fle­xi­bi­li­tät, die sich nicht auf die Le­bens­wirk­lich­keit und Zu­kunft der Kin­der und Ju­gend­li­chen über­tra­gen lässt.

Ak­tu­ell und in den kom­men­den Mo­na­ten sind die Lehr­kräf­te not­wen­di­ger­wei­se vor allem damit be­schäf­tigt, mit den Jahr­gangs­stu­fen die Lern­zie­le ihrer Fä­cher zu er­rei­chen. Vor dem Hin­ter­grund, dass so­zia­le und per­so­na­le Kom­pe­ten­zen als Be­din­gung für eine er­folg­rei­che Lern- und Ent­wick­lungs­lauf­bahn ge­se­hen wer­den, wird of­fen­kun­dig, dass ihre brei­te schu­li­sche För­de­rung Basis der Chan­cen­gleich­heit des Sys­tems ist. Der An­spruch der Chan­cen­gleich­heit in un­se­rem Bil­dungs­we­sen hat in der Co­ro­na­kri­se durch die man­geln­de För­de­rung über­fach­li­cher Kom­pe­ten­zen einen Rück­schritt er­fah­ren und ist in einen Zu­stand der Zu­fäl­lig­keit ge­ra­ten.

Die Chan­ce dafür, dass aus den Co­ro­na-be­ding­ten Pha­sen der Schul­schlie­ßun­gen kein Bil­dungs­ver­lust in Bezug auf diese Kom­pe­ten­zen, auf Chan­cen­gleich­heit und auf Re­si­li­enz im Um­gang mit zu­künf­ti­gen Kri­sen wird, liegt in der kon­se­quent ma­ni­fes­tier­ten und nicht nur schein­ba­ren Ver­knüp­fung von Un­ter­richts- und ganz­tä­gi­gen An­ge­bo­ten.

Die ganz­tä­gi­ge För­de­rung vor allem der über­fach­li­chen Kom­pe­ten­zen darf nicht län­ger nur unter „fer­ner lie­fen“ zu fin­den sein, son­dern muss in den grund­le­gen­den Ge­set­zen ver­an­kert sein.

Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung bis Jahr­gangs­stu­fe 6

Ab 2025 soll ein Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung für Kin­der im Grund­schulal­ter be­ste­hen.

Wenn diese Ver­knüp­fung von Schu­le und Ganz­tag nicht auch auf ge­setz­li­cher Ebene zu fin­den ist, wer­den viele Ak­teu­re von die­sem Rechts­an­spruch über­rascht und über­rollt. Dabei ist es jetzt eine gute Übung, in den Schu­len mit dem end­gül­ti­gen ganz­tä­gi­gen Den­ken zu be­gin­nen.

Die ver­gan­ge­nen Mo­na­te der Not­be­treu­ung haben auch ge­zeigt, dass diese Un­ter­stüt­zung eben­so für Fa­mi­li­en mit Kin­dern bis zur Jahr­gangs­stu­fe 6 in den wei­ter­füh­ren­den Schu­len be­nö­tigt wird und der Rechts­an­spruch um diese Stu­fen er­wei­tert wer­den soll­te.

Fazit

Es ist wich­tig, dass der Ganz­tag mit all sei­nen An­ge­bo­ten und Aus­ge­stal­tun­gen als Teil der Schu­le jetzt von Mi­nis­te­ri­ums­sei­te mit­ge­dacht wird und nicht immer wie­der auf Nach­fra­gen und Hin­ter­her-Steu­ern an­ge­wie­sen ist. Das würde die Ar­beit der schu­li­schen mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Teams er­leich­tern und viele Men­schen, die für die Kin­der und Ju­gend­li­chen in den Sys­te­men ar­bei­ten, wür­den sich end­lich wert­ge­schätzt füh­len.

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Save the date: 16.09.2021 Der Ter­min für die nächs­te Fach­ta­gung steht fest

Wies­ba­den, 05.10.2020. Nach­dem die Fach­ta­gung 2020 co­ro­na­be­dingt ent­fal­len muss­te, steht nun ein Ter­min für die nächs­te Fach­ta­gung fest:

Die Fach­ta­gung und die Jah­res­haupt­ver­samm­lung des Lan­des­ver­ban­des Hes­sen 2021 fin­den am 16.09.2021 an der Tau­nus­schu­le (Ko­ope­ra­ti­ve Ge­samt­schu­le mit Ober­stu­fe) in Bad Cam­berg statt.

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Auf­ruf zur Än­de­rung des Hes­si­schen Schul­ge­set­zes - Vor­schlä­ge für eine Ge­set­zes­än­de­rung im Hes­si­schen Schul­ge­setz §15

Wies­ba­den, 22.08.2020. Die Ein­füh­rung der Halb­tags­schu­le auch an Grund­schu­len vor ca. 100 Jah­ren war eine bil­dungs- und so­zi­al­po­li­ti­sche be­son­ders aber eine päd­ago­gi­sche Fehl­ent­wick­lung in Deutsch­land und in Hes­sen, ›ge­för­der­t‹ und ›un­ter­stütz­t‹ durch die Not nach Ende des 1. aber auch 2. Welt­krie­ges, feh­len­den Schul­raums und feh­len­den Leh­rern. Diese ›Not­si­tua­tion‹ ist seit min­des­tens 50 Jah­ren wei­test­ge­hend be­reits be­en­det. Ak­tu­ell be­ste­hen­de räum­li­che und per­so­nel­le Eng­päs­se kön­nen be­ho­ben wer­den. Trotz­dem ist man bis­her nicht wie­der zur Ganz­tags­schu­le zu­rück­ge­kehrt. Auf die Grün­de soll hier nicht näher ein­ge­gan­gen wer­den.
In­zwi­schen ist be­son­ders durch die schlech­ten Er­geb­nis­se bei PISA 2000 eine er­neu­te Dis­kus­si­on zur Wie­der­be­le­bung der Ganz­tags­schu­le ent­facht. Der Aus­bau von Ganz­tags­an­ge­bo­ten wurde ver­stärkt auf­ge­nom­men, al­ler­dings als so­zi­al­po­li­ti­sche Maß­nah­me in Form über­wie­gend frei­wil­li­ger An­ge­bo­te bzw. Be­treu­ungs­an­ge­bo­te am Nach­mit­tag, ohne dass die grund­sätz­li­che Struk­tur der Halb­tags­schu­le ver­än­dert wurde. Be­son­ders die Er­geb­nis­se der StEG-Stu­di­en haben deut­lich ge­macht, dass zwar die Ver­ein­bar­keit von Schu­le und Be­rufs­tä­tig­keit von El­tern ver­bes­sert wurde, es aber zu kei­nem Abbau von Bil­dungs­un­ge­rech­tig­keit kam und die Leis­tungs­sche­re nach wie vor weit aus­ein­an­der liegt. In­zwi­schen hat sich nach der neuen Bil­dungs­stu­die 2020 der An­teil der Schü­ler*in­nen ohne Haupt­schul­ab­schluss wie­der er­höht. Gera­de die Pan­de­mie hat ge­zeigt, wie wich­tig Schu­le und be­son­ders die Ganz­tags­schu­le für Kin­der und Ju­gend­li­che ist.
Ab 2025 soll es einen Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung in Grund­schu­len geben. Dies soll­te je­doch nicht so ver­stan­den wer­den, dass ab 2025 le­dig­lich Halb­tags­schu­len mit frei­wil­li­ger Nach­mit­tags­be­treu­ung an­ge­bo­ten wer­den.
Um einer er­neu­ten bil­dungs­po­li­ti­schen und päd­ago­gi­schen Fehl­ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­wir­ken, for­dert der Ganz­tags­schul­ver­band Hes­sen daher eine Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ve zur Um­set­zung des Rechts­an­spruchs auf einen Platz an einer ge­bun­de­nen und rhyth­mi­sier­ten Ganz­tags­grund­schu­le bis min­des­tens 14.30 Uhr in Wei­ter­ent­wick­lung des Pak­tes für den Nach­mit­tag/Ganz­tag.

Die Stun­den­ta­fel laut Hess. Schul­ge­setz soll­te er­gänzt wer­den durch Lern­zei­ten, Bil­dungs-, Be­treu­ungs-, und Frei­zeit­an­ge­bo­te auch in Ko­ope­ra­ti­on mit au­ßer­schu­li­schen Bil­dungs­trä­gern. Der Ta­ge­sab­lauf wird ent­spre­chend rhyth­mi­siert mit Un­ter­richts-, Bil­dungs-, und Frei­zeit­an­ge­bo­ten am Vor- und Nach­mit­tag. Die Mit­tags­pau­se soll­te ein ge­mein­sa­mes war­mes Mit­ta­ges­sen als Teil des päd­ago­gi­schen Kon­zep­tes bein­hal­ten.
In den Jahr­gangs­stu­fen 1 - 4 fin­den ver­bind­li­che Un­ter­richts-, Bil­dungs-, und Frei­zeit­an­ge­bo­te bis min­des­tens 14.30 Uhr statt. An diese ge­mein­sa­me, ge­bun­de­ne Kern­zeit soll­ten sich ab 14.30 Uhr dann of­fe­ne Bil­dungs- und Be­treu­ungs­an­ge­bo­te bis min­des­tens 16.00 Uhr an­schlie­ßen, die frei­wil­lig, je­doch nach Ein­wahl ver­bind­lich be­sucht wer­den kön­nen. Je nach Be­darfs­la­ge kön­nen sich dann noch Rand­be­treu­un­gen (Früh- und Spät­be­treu­ung) an­schlie­ßen.
Der Be­darf an Ganz­tags­an­ge­bo­ten wird auf 80 bis 90% ge­schätzt. Al­lein die­ser hohe Be­darf recht­fer­tigt ein Ganz­tags­kon­zept, nach dem alle Kin­der einer Grund­schu­le bis min­des­tens 14.30 Uhr ver­bind­lich und rhyth­mi­siert ge­mein­sam ler­nen, spie­len und so­zia­le Er­fah­run­gen ma­chen. Das päd­ago­gi­sche Ganz­tags­kon­zept muss den Vor- und Nach­mit­tag sinn­voll mit­ein­an­der ver­knüp­fen. Pha­sen der An – und Ent­span­nung soll­ten sich ab­wech­seln und den für Kin­der so wich­ti­gen Bil­dungs­a­spekt durch Un­ter­richt und durch au­ßer­un­ter­richt­li­che An­ge­bo­te be­glei­tet durch qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal in mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Teams si­cher­stel­len.
Im Rah­men eines ver­bind­li­chen Kon­zep­tes bis 14.30 Uhr bleibt noch ge­nü­gend Zeit für au­ßer­schu­li­sche Ak­ti­vi­tä­ten in Sport­ver­ei­nen, Mu­sik­schu­len u.a. au­ßer­halb der Schul­zei­ten, für die­je­ni­gen, die die of­fe­nen An­ge­bo­te nicht nut­zen möch­ten.
In der Um­set­zung soll­te mit der Grund­schu­le ab 2021 mit Klas­se 1 und 2 oder auch mit allen Klas­sen be­gon­nen wer­den. Die in den Jahr­gän­gen 5 und 6 in fast allen Re­gio­nen mas­siv stei­gen­den Zah­len der An­mel­dun­gen zei­gen, dass eine schritt­wei­se Er­wei­te­rung des Kon­zep­tes auf die Klas­sen 5 und 6 wün­schens­wert wäre.
Der Lan­des­ver­band Hes­sen im Ganz­tags­schul­ver­band e.V. sieht in der Stel­lung­nah­me des Bun­des­ver­ban­des vom 20. 08. 2020 zum ak­tu­el­len Stand der De­bat­te um den Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung im Grund­schulal­ter die Grund­la­ge für den An­trag des Lan­des­ver­ban­des.

Guido Seel­mann-Eg­ge­bert, Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­ban­des HESSEN, Ganz­tags­schul­ver­band e.V.

Dow­n­load des Auf­rufs

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"Ganz­tags­schu­le als Re­gel­schu­le" - Pres­se­er­klä­rung des Lan­des­ver­ban­des zum Leit­ar­ti­kel im Wies­ba­de­ner Ku­ri­er vom 06.07.2020

Wies­ba­den, 07.07.2020.

Der Ganz­tags­schul­ver­band Hes­sen un­ter­stützt die For­de­rung von Fried­rich Roein­gh nach einem Sys­tem­wech­sel in Hes­sen hin zur rhyth­mi­sier­ten Ganz­tags­schu­le in ge­bun­de­ner Kon­zep­ti­on an allen Schu­len Hes­sens, vor allem an Grund­schu­len.

Gera­de auf dem Hin­ter­grund der Pan­de­mie wur­den die Schwä­chen des Bil­dungs­sys­tems in Hes­sen sicht­bar. Na­tür­lich ist die Ganz­tags­schu­le nicht fa­mi­li­en­feind­lich, wie die For­schungs­er­geb­nis­se der letz­ten Jahre ge­zeigt haben. In der StEG-Stu­die (Stu­die zur Ent­wick­lung von Ganz­tags­schu­len) wurde nach­ge­wie­sen, dass Kin­der und El­tern sich sogar bes­ser ver­ste­hen, wenn die Kin­der eine Ganz­tags­schu­le be­su­chen. Schu­le wurde in Deutsch­land, wie in an­de­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten, immer ganz­tä­gig ge­führt. Erst vor ca. 100 Jah­ren wurde die Halb­tags­schu­le in Deutsch­land, nicht aus päd­ago­gi­scher Ein­sicht, son­dern u.a. auch ein­ge­führt, damit die Ju­gend­li­chen am Nach­mit­tag in Kriegs­vor­be­rei­tung durch Ex­er­zie­ren und sport­li­che Be­tä­ti­gung ein­ge­stimmt wer­den soll­ten. Kai­ser Wil­helm II. hatte 1890 dazu eine un­rühm­li­che Rede ge­hal­ten. Der ‚Son­der­weg‘ Deutsch­lands in die Halb­tags­schu­le war eine bil­dungs­po­li­ti­sche, so­zi­al­po­li­ti­sche und päd­ago­gi­sche Fehl­ent­wick­lung, deren Fol­gen heute noch sicht­bar sind.

Das deut­sche Bil­dungs­sys­tem ist einer Stu­die der Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­le­rin Prof. Dr. Nina Kol­leck von der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin zu­fol­ge er­heb­lich von so­zia­len Un­gleich­hei­ten auf ver­schie­de­nen Ebe­nen ge­prägt.

Es gebe al­ler­dings Maß­nah­men, mit denen so­zia­le Un­gleich­hei­ten ver­min­dert wer­den könn­ten. Zu be­son­ders viel­ver­spre­chen­den Kon­zep­ten zäh­len der Stu­die zu­fol­ge Ganz­tags­schu­len, Bil­dungs­ver­bün­de sowie Ini­tia­ti­ven zur Op­ti­mie­rung der Über­gän­ge von der Grund­schu­le in die Se­kun­dar­schu­le. "Es spricht viel dafür, dass die Um­set­zung die­ser Kon­zep­te dazu bei­tra­gen kann, die Chan­cen­ge­rech­tig­keit im deut­schen Bil­dungs­sys­tem zu ver­bes­sern."

Die neu­er­dings fest­ge­stell­te Zu­nah­me von Kin­dern ohne Bil­dungs­ab­schluss müss­te ein Alarm­si­gnal sein.

Mit Ganz­tags­an­ge­bo­ten an Schu­len ist es aber nicht getan. Sie füh­ren zu kei­ner grund­le­gen­den Ver­än­de­rung, son­dern sind le­dig­lich eine Er­gän­zung der Halb­tags­schu­le, um El­tern die Be­rufs­tä­tig­keit zu er­mög­li­chen.

Mit dem ge­gen­wär­tig do­mi­nie­ren­den of­fe­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­mo­dell, d. h. einer frei­wil­li­gen Teil­nah­me der Schü­le­rin­nen und Schü­ler, kön­nen die päd­ago­gi­schen Mög­lich­kei­ten einer fle­xiblen Zei­t­or­ga­ni­sa­ti­on über den gan­zen (Schul-)Tag nicht hin­rei­chend aus­ge­schöpft wer­den. Eine so wich­ti­ge Rhyth­mi­sie­rung des Ta­ge­sab­laufs ist somit kaum mög­lich. Al­ler­dings brau­che es auch Gel­der für die ver­läss­li­che Schu­le nicht nur am Vor­mit­tag, son­dern auch am Nach­mit­tag, wenn re­gu­lä­rer Un­ter­richt am Nach­mit­tag er­teilt wird, damit ggf. re­gu­lä­re Aus­fall­stun­den mit Fach­per­so­nal und nicht mit ex­ter­nen Aus­hilfs­kräf­ten oder sogar päd­ago­gisch un­aus­ge­bil­de­ten Per­so­nen durch­ge­führt würde, wie der 1. Vor­sit­zen­de, Guido Seel­mann-Eg­ge­bert in sei­ner Stel­lung­nah­me, ab­schlie­ßend fest­stellt.

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Neu­er­schei­nung in der Reihe Schul­ge­schicht­li­che Ab­hand­lun­gen der Aka­de­mie für Ganz­tagspäd­ago­gik, ein Buch des hes­si­schen Lan­des­vor­sit­zen­den zur Schul­ge­schich­te in Hes­sen:

Wies­ba­den/Hilt­pold­stein 02.06.2020.

GANZTAGSSCHULE ODER HALBTAGSSCHULE?

Zeit­kon­zep­te in Hes­sen vom Mit­tel­al­ter bis ins 20. Jahr­hun­dert

Bd. 2 der Reihe Schul­ge­schicht­li­che Ab­hand­lun­gen
Guido Seel­mann-Eg­ge­bert
ISBN: 978-3-946109-25-9 136 Sei­ten, zahlr. Ab­bil­dun­gen, 14.95 Euro

Zu den ak­tu­ell wich­tigs­ten bil­dungs­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen ge­hört der Aus­bau von Ganz­tags­an­ge­bo­ten in allen Schul­for­men. Wie aber sah frü­her ein Schul­tag aus – wann fing der Un­ter­richt an, wie lange dau­er­te eine Schul­stun­de, wann war die Schu­le zu Ende? An­hand von zahl­rei­chen Bei­spie­len und Ori­gi­nal­stun­den­plä­nen ver­folgt der Band die wech­sel­vol­le Ge­schich­te un­ter­schied­li­cher schu­li­scher Zeit­kon­zep­te in Hes­sen und der De­bat­ten darum.

Hier be­stel­len

Re­zen­si­on lesen (Kris­ti­na Bar­tak-Lipp­mann)

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Of­fe­ner Brief an das Hes­si­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um zur Ab­wick­lung der Abrech­nung der Ganz­tags­mit­tel

Wies­ba­den, 21.04.2020.

An das HKM,

Frau MR Cor­ne­lia Lehr,

Ab­wick­lung der be­wil­lig­ten Zu­wen­dun­gen für das Schul­jahr 2019/2020 im Be­reich der ganz­tä­gi­gen An­ge­bo­te/Pakt für den Nach­mit­tag in Folge des Co­ro­na­vi­rus“ (26.03.2020) des hes­si­schen Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums.

Stel­lung­nah­me des Ganz­tags­schul­ver­ban­des e.V. Hes­sen:

Sehr ge­ehr­te Frau Lehr,

Mit dem Auf­kom­men der Co­ro­na-Pan­de­mie und der damit ver­bun­den Schul­schlie­ßun­gen kön­nen auch die An­ge­bo­te des Ganz­tags nicht im ge­wohn­ten Maße statt­fin­den.

Der hes­si­sche Ganz­tags­schul­ver­band be­wer­tet die zeit­na­he An­pas­sung der „Ab­wick­lung der be­wil­lig­ten Zu­wen­dun­gen für das Schul­jahr 2019/2020 im Be­reich der ganz­tä­gi­gen An­ge­bo­te/Pakt für den Nach­mit­tag in Folge des Co­ro­na­vi­rus“ (26.03.2020) des hes­si­schen Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums po­si­tiv und sieht darin u.a. eine zu­min­dest an­satz­wei­se Ge­währ­leis­tung der Qua­li­täts­stan­dards ganz­tä­gig ar­bei­ten­der Schu­len in Hes­sen.

Hes­si­sche Schü­le­rin­nen und Schü­ler be­kom­men die schu­li­schen Auf­ga­ben mo­men­tan weit­ge­hend über di­gi­ta­le Wege ver­mit­telt. Diese neuen di­gi­ta­len Wege des Schul­un­ter­richts ber­gen viele Chan­cen, aber auch Ri­si­ken in sich. Nicht jede Schü­le­rin bzw. jeder Schü­ler hat Zu­gang zu einem Com­pu­ter oder Smart­pho­nes; es gibt Fa­mi­li­en, die Sprach­schwie­rig­kei­ten haben, deren Mut­ter­spra­che nicht Deutsch ist und es kann nicht immer ge­währ­leis­tet wer­den, dass die Lehr­kräf­te alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler er­rei­chen. Hinzu kommt, dass El­tern ihre Kin­der beim Ho­me­schoo­ling nicht immer un­ter­stüt­zen kön­nen. So­wohl die häus­li­che Aus­stat­tung mit der di­gi­ta­len Hard­wa­re, wie auch die di­gi­ta­len Kom­pe­ten­zen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler sind un­ter­schied­lich und nicht jede Schü­le­rin bzw. jeder Schü­ler ist in der Lage, selbst­stän­dig und struk­tu­riert zu ar­bei­ten. Sol­che Fä­hig­kei­ten sind bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern, die leis­tungs­stär­ker sind, häu­fig aus­ge­präg­ter vor­han­den. Di­gi­ta­les Ler­nen kann des­halb zu einer Ver­stär­kung der Chan­cen-Un­gleich­heit füh­ren. Laut der jüngs­ten Ver­öf­fent­li­chung der na­tio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, Leo­pol­di­na, ist zu be­fürch­ten „…dass die Krise in Deutsch­land, oh­ne­hin stark aus­ge­präg­te so­zia­le Un­gleich­heit in Bezug auf Zu­gän­ge zu Be­treu­ung und Un­ter­richt sowie in Bezug auf Lern­leis­tun­gen und Bil­dungs­er­fol­ge ver­stärk­t…“ (Drit­te Ad-hoc-Stel­lung­nah­me: Co­ro­na­vi­rus Pan­de­mie – Die Krise nach­hal­tig über­win­den, Leo­pol­di­na, Halle, 13. 04. 2020).

Dem ge­gen­über­zu­stel­len ist die Ver­öf­fent­li­chung im hes­si­schen Amts­blatt 05/18, wo­nach die An­ge­bo­te von ganz­tä­gig ar­bei­ten­den Schu­len in Hes­sen, die He­te­ro­ge­ni­tät der Schü­ler­schaft be­rück­sich­ti­gen, das För­der­kon­zept der Schu­le mit­ein­be­zie­hen und die Fä­hig­keit zum selbst­ge­steu­er­ten Ler­nen stüt­zen sol­len.
(vgl. https://hes­si­sches-amts­blatt.de/wp-con­tent/plug­ins/pdf-view­er/sta­ble/web/view­er.html?file=/wp-con­tent/uploads/on­li­ne_pdf/pdf_2018/05_2018.pdf)

Die am 26.03.2020 ver­öf­fent­lich­ten Hin­wei­se und ge­än­der­ten Vor­ga­ben sind ein po­si­ti­ves Bei­spiel dafür, dass mi­nis­te­ria­le Be­schlüs­se, die sich nah am All­tag der Schu­len hal­ten, in un­ter­stüt­zen­der Weise auf die sinn­vol­le Ver­aus­ga­bung von Lan­des­mit­teln ein­wir­ken kön­nen und dar­über hin­aus selbst in Kri­sen­zei­ten als Motor für Qua­li­täts­maß­nah­men wir­ken kön­nen.

Im ak­tu­el­len Fall gibt das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ganz­tä­gig ar­bei­ten­den Schu­len Spiel­räu­me, die es ei­ner­seits er­mög­li­chen, zu­ver­läs­si­gen und zum Teil lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, neben dem Ein­satz in der Not­be­treu­ung, die Ar­beit im Schulall­tag zu er­hal­ten. Sie bie­ten aber auch Frei­räu­me, um in Zei­ten der Schul­schlie­ßung, im Sinne der Qua­li­täts­merk­ma­le ganz­tä­gig ar­bei­ten­der Schu­len, die Ent­wick­lung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu un­ter­stüt­zen.

Ganz be­son­ders wich­tig ist es, dabei zu be­to­nen, dass durch die ak­tu­el­len An­pas­sun­gen, das, als ge­fähr­det be­zeich­ne­te Qua­li­täts­merk­mal der Chan­cen­gleich­heit, durch Ganz­tags­mit­tel ge­för­dert wer­den kann. Es ist z. B. mög­lich, Ganz­tags­mit­ar­bei­ter ein­zu­set­zen, die an­bie­ten, ein­zel­ne Schü­le­rin­nen und Schü­ler te­le­fo­nisch oder per Chat oder Vi­deo­kon­fe­renz bei den Schul­ar­bei­ten zu­hau­se zu be­glei­ten. Das kann sogar so weit gehen, dass, wie zum Bei­spiel an der Tau­nus­schu­le in Bad Cam­berg, eine täg­li­che Beglei­tung in ab­ge­stimm­ten Zeiträu­men, die einen rhyth­mi­sier­ten Ta­ge­sab­lauf för­dert, an­ge­bo­ten wer­den kann. So kön­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler durch ihnen be­kann­te, im Um­gang mit schu­li­schen Auf­ga­ben er­fah­re­ne, Ganz­tags­mit­ar­bei­ter dabei un­ter­stützt wer­den, in Zei­ten der Schul­schlie­ßung, zu­hau­se Struk­tu­ren selbst­stän­di­gen Ler­nens und Ar­bei­tens zu ent­wi­ckeln.

Die Hin­wei­se des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums hel­fen den hes­si­schen Schu­len mit ganz­tä­gi­gem An­ge­bot, Si­cher­heit für die Ab­wick­lung der An­ge­bo­te zu er­hal­ten und wei­ter­hin, wenn auch be­schränkt, im Sinne der Qua­li­täts­merk­ma­le ganz­tä­gig ar­bei­ten­der Schu­len zu ar­bei­ten.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

G. Seel­mann-Eg­ge­bert,

(Lan­des­vor­sit­zen­der)

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Die Fach­ta­gung des Ganz­tags­schul­ver­ban­des Lan­des­ver­band Hes­sen am 13. Mai 2020 in Raun­heim muss lei­der ent­fal­len

Wies­ba­den, 26.03.2020

Liebe Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,

so­fern Sie sich für un­se­re Fach­ta­gung am 13. 5. 2020 in Raun­heim an­ge­mel­det oder In­ter­es­se an der Teil­nah­me haben, müs­sen wir Ihnen lei­der mit­tei­len, dass diese Fort­bil­dung auf Grund der der der­zei­ti­gen Ge­sund­heits­kri­se aus­fällt. Das HKM hat alle Leh­rer­fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen bis zu den Som­mer­fe­ri­en ab­ge­sagt. Wer sich be­reits zur Fach­ta­gung an­ge­mel­det hat, muss sich jetzt nicht mehr ab­mel­den. Wir be­dau­ern die Ab­sa­ge sehr, weil wir uns schon mit viel Mühe und Ar­beit dar­auf vor­be­rei­tet haben. Aber es sind eben auch be­son­de­re Zei­ten. Falls es uns ge­lin­gen soll­te, die Fach­ta­gung auf den kom­men­den Herbst zu ver­schie­ben, wer­den wir Sie recht­zei­tig dar­über in­for­mie­ren. Aber zur­zeit kön­nen wir dazu nichts fest­le­gen. Wir bit­ten um Ver­ständ­nis.

Wir wün­schen Ihnen alles Gute und blei­ben Sie vor vor allem ge­sund!

Herz­li­che Grüße

Guido Seel­mann-Eg­ge­bert

Lan­des­vor­sit­zen­der des Ganz­tags­schul­ver­ban­des HESSEN

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Mo­dell­pro­jekt »in­klu­si­ve ge­bun­de­ne Ganz­tags­grund­schu­le bis 14.30 Uhr«

Stel­lung­nah­me des Lan­des­ver­ban­des Hes­sen

Wies­ba­den, 29.02.2020

(Foto co­py­right darm­stadt.de)

Einen in­ter­essan­ten und bis­her ein­ma­li­gen Weg geht der »Bil­dungs­bei­rat der Bil­dungs­re­gi­on Darm­stadt & Darm­stadt-Die­burg« in Süd­hes­sen. Er plant einen An­trag zu einem Mo­dell­pro­jekt »in­klu­si­ve ge­bun­de­ne Ganz­tags­grund­schu­le bis 14.30 Uhr in der Bil­dungs­re­gi­on Darm­stadt & Darm­stadt-Die­burg«.

► Lesen Sie hier die Stel­lung­nah­me des Lan­des­ver­ban­des Hes­sen.

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Von der Ganz­tags­schu­le zur Halb­tags­schu­le in Hes­sen

Wies­ba­den, 24.10.2019

In der SchulVer­wal­tung, Fach­zeit­schrift für Schul­ent­wick­lung und Schul­ma­na­ge­ment für Hes­sen und Rhein­land-Pfalz 24. Jg. 10/2019 er­schi­en ein Auf­satz von Guido Seel­mann-Eg­ge­bert, der die his­to­ri­sche Ent­wick­lung von der Ganz­tags­schu­le zur Halb­tags­schu­le in Hes­sen the­ma­ti­siert.

Guido Seel­mann-Eg­ge­bert schreibt zur Ent­ste­hung der Halb­tags­schu­le in Hes­sen:

Wer die ak­tu­el­len Dis­kus­sio­nen und Ent­wick­lun­gen der Päd­ago­gik ver­ste­hen will, soll­te auch ihre Ent­ste­hungs­ge­schich­te und Ent­wick­lung ken­nen. Al­bert Reble schrieb, dass "die his­to­ri­sche Päd­ago­gik ihre Le­gi­ti­ma­ti­on darin fin­det, dass die Ge­gen­wart in ihrer Viel­schich­tig­keit, ihren Span­nun­gen und Viel­schich­tig­kei­ten (,,,) auch im päd­ago­gi­schen Be­reich (...) nicht zu ver­ste­hen ist, wenn man nicht weiß (...), wie sie aus der Ver­gan­gen­heit her­aus­ge­wach­sen ist." (Reble 1965 S.12). Die heute noch viel­fach in Deutsch­land üb­li­che Halb­tags­schu­le ist ein his­to­risch neues Phä­no­men aus dem 19. Jahr­hun­dert.

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Stel­lung­nah­me des Lan­des­ver­ban­des Hes­sen zum Ganz­tags­aus­bau in Hes­sen

Hes­sen, 29.06.2018

In einer Pres­­se­er­­klä­rung vom 19. Juni 2018 be­tont Kul­tus­­mi­­nis­ter Lorz: „Wir haben so viele An­trä­­ge zum Ganz­­tags­aus­­bau ge­­neh­­migt wie nie zuvor.“

Im Wahl­jahr 2018 stellt sich Lorz selbst ein her­vor­­ra­­gen­­des Er­­ge­b­­nis beim Aus­­bau ganz­tä­­gig ar­­bei­ten­­der Schu­len aus. So wird er­wähnt, dass 25 von 33 Schul­trä­­gern mit­t­­ler­wei­le am Pakt für den Nach­­mit­­tag teil­­neh­­men. Er ver­­­gisst aber dabei zu sagen, dass zu Be­­ginn der Le­­gis­la­tur­­pe­ri­o­de die Ab­­sicht be­­stand, dass alle Schul­trä­­ger bis zum Ende der Le­­gis­la­tur­­pe­ri­o­de am Pakt für den Nach­­mit­­tag teil­­neh­­men und auch mög­­lichst alle Grun­d­­schu­len in den Pakt gehen. Davon sind wir aber in Hes­­sen al­­ler­­dings weit ent­­fernt. Le­­dig­­lich ca. 20% der Grun­d­­schu­len neh­­men im Schul­jahr 2018/2019 am PfN teil. KM Prof. Dr. Lorz hebt her­vor, dass mehr als 70% der Schü­le­rin­­nen und Schü­­ler in Hes­­sen Ganz­­tags­an­­ge­­bo­te in An­­spruch neh­­men kön­­nen. Auch dies trifft nicht zu, weil viele Schu­len be­­son­­ders im Pro­­fil 1 und auch im PfN gar nicht in der Lage wären, allen Schü­­lern ein Ganz­­tags­an­­ge­­bot zu ge­wäh­ren. Dafür reicht so­wohl die räum­­li­che als auch die per­­so­­nel­le Ka­pa­­zi­tät vie­­ler Grun­d­­schu­len nicht aus.

Somit wird aber die Wahl­frei­­heit der El­tern er­he­b­­lich ein­­ge­schränkt. Lorz be­tont auch, dass in­­­zwi­­schen 107 Schu­len ge­­bun­­de­­ne Ganz­­tags­­schu­len sind. Davon sind aber über 50% För­­der­­schu­len und le­­dig­­lich 5-7 Grun­d­­schu­len. Ein Gym­na­­si­um ist über­­haupt nicht dabei. Dabei wäre es durch­­aus wün­­schens­wert, wenn Gym­na­­si­en auch eine echte Ganz­­tags­­klas­­se hät­ten, damit El­tern auch hier eine Wahl­frei­­heit ge­währt würde. Si­cher hat sich in der ver­­­gan­­ge­­nen Le­­gis­la­tur­­pe­ri­o­de in Rich­tung Ganz­­tag­s­ent­wick­­lung in Hes­­sen etwas getan. Der Rück­­stand ge­­gen­­über den an­­de­ren Bun­­des­län­­dern war er­he­b­­lich, be­­son­­ders im Grun­d­­schul­­be­reich, wo Hes­­sen zu­letzt einen letz­ten Platz im Ver­­gleich der Bun­­des­län­­der be­leg­te. Der Schwer­­punkt der Ent­wick­­lung in Hes­­sen liegt aber nach wie vor beim Aus­­bau von Schu­len mit Ganz­­tags­an­­ge­­bo­ten und nicht von Ganz­­tags­­schu­len. Damit kommt man zwar dem Wunsch vie­­ler El­tern nach Be­treu­ung am Nach­­mit­­tag ent­­ge­­gen aber es ist kein Bei­­trag zu mehr Chan­­cen­­ge­rech­tig­keit von Kin­­dern und einer wün­­schens­wer­ten Ver­­bes­­se­rung von Schü­­ler­leis­tun­­gen. In einem In­ter­view mit der E & W mach­te der Dor­t­­mun­­der Bil­­dungs­­­for­­scher WILFRIED BOS deut­­lich: „Der quan­ti­ta­ti­­ve Aus­­bau der Ganz­­tags­­schu­len habe zwar für die Ver­ein­­bar­keit von Fa­­mi­­lie und Beruf viel ge­­bracht…Für mehr Bil­­dungs­­­ge­rech­tig­keit brau­che der Ganz­­tag aber deut­­lich mehr Qua­­li­tät.“

BOS sieht er­he­b­­li­chen Ver­­bes­­se­rungs­­­be­darf und stellt fest: „Wirk­­lich er­­fol­g­reich sind nur die ge­­bun­­de­­nen Mo­­del­le, bei denen alle Kin­­der an den An­­ge­­bo­ten teil­­neh­­men – mit Rhy­th­­mi­­sie­rung des Un­ter­richts und För­­de­rung durch gut aus­­­ge­­bil­­de­tes Per­­so­nal.“ [1]

Laut IFO In­s­ti­tut von 2015 wün­­schen sich in­­­zwi­­schen über 50% der El­tern für ihr Kind eine rhy­th­­mi­­sier­te Ganz­­tags­­schu­le in ge­­bun­­de­­ner Kon­­zep­ti­on. Hes­­sen kann je­­den­falls die­­sen El­ter­n­an­­spruch nicht er­­fül­len. Wir wün­­schen uns daher von einer kün­f­ti­­gen Lan­­des­re­­gie­rung, dass sie den Schwer­­punkt der Ganz­­tags­­schul­ent­wick­­lung auf den Aus­­bau von rhy­th­­mi­­sier­ten Ganz­­tags­­schu­len in ge­­bun­­de­­ner Kon­­zep­ti­on legt.

Guido Seel­­mann-Eg­­ge­­bert, Lan­­des­vor­­­sit­­zen­­der Hes­­sen

[1] Bos, Wil­fried; In­ter­view mit K. Irle; in: Er­­zie­hung und Wis­­sen­­schaft; 7/8 Aus­­ga­­be 2017, S. 10.